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Ménage-à-trois

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Wenn man als Christ für gleichgeschlechtliche Ehen ist, wird einem oft das Dammbruch-Argument entgegengehalten: Eine Erweiterung des heteronormen Ehebegriffs würde die Ehe für alle möglichen Formen von Beziehungen geöffnet, sie würde völlig ihren Charakter verlieren, und es gäbe ethisch und moralisch gar keinen Halt mehr. Es ist natürlich richtig, dass sich die Vielfalt der gesellschaftlich akzeptierten Beziehungsmodelle in den letzten Jahren erheblich erweitert hat. Man kann darin einen Werteverfall erkennen. Ich persönlich sehe darin eher ein Werteverschiebung mit positiven und negativen Aspekten, aber das soll heute nicht das Thema sein.

Ich bin nämlich über Facebook auf diesen Artikel zu einer schwulen Dreierbeziehung hingewiesen worden. Ich will mich einmal daran versuchen, inwieweit mir als theologischem Laien auf die Schnelle eine biblische Beurteilung eines solchen Beziehungsmodells gelingt.

Die Bibel kennt Dreiecksbeziehungen (wie alle Beziehungen) nur in der heterosexuellen Form, und auch da nur in der Kombination: ein Mann, mehrere Frauen. Gerade in der stark patriarchalischen Gesellschaft zur Zeit des Alten Testamentes waren solche Beziehungen nicht nur geduldet, sondern vielmehr durchaus üblich und erlaubt, auch im Volk Gottes. Insgesamt zeigt gerade der Blick ins Alte Testament auch, dass das biblische Modell der Ehe sich auch durch gesellschaftliche Realitäten formt, dass es neben dem unveränderlichen, in den Menschen hineingeschaffenen Kern (Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.) eine erhebliche Variationsbreite dessen gibt, was in der jeweiligen Gesellschaft noch Teil des biblischen Ehemodells sein kann oder auch nicht.

Die im verlinkten Artikel vorgestellte Dreierbeziehung unterscheidet sich in zumindest einem wichtigen Punkt von der klassischen, heterosexuellen Vielehe. Letztere ist nämlich keine echte Dreiecksbeziehung, sondern stellt vielmehr ein V dar: Die Frauen führen die Beziehung nicht untereinander, sondern nur jede für sich mit ihrem Mann. Dagegen kann eine Dreierbeziehung mit bi- oder homosexuellen Beteiligten ein echtes Dreieck darstellen: Jeder liebt jeden. Man könnte argumentieren, dass diese Beziehung damit weiter von der Einehe entfernt ist, weil sie das eins-zu-eins-Prinzip stärker durchbricht. Man könnte aber auch sagen, dass sie näher am biblischen Ehemodell dran ist, weil sie die gegenseitige Liebe und Treue aller Partner untereinander ermöglicht. Ich tendiere persönlich zur zweiten Ansicht, möchte mich da aber nicht festlegen.

Angesichts der Vielzahl der Mehrehen im Alten Testament komme ich nur schwerlich zu einem strengen Verbot von Dreierbeziehungen. Es gibt aber zahlreiche Hinweise, dass sie einfach keine gute Idee ist, und dass man besser die Finger davon lassen sollte. Die Vielehen in der Bibel laufen allesamt nicht sehr gut und führen zu zahlreichen Problemen und Verwicklungen. Selten ist jemand glücklich mit so einer Konstellation, zumeist ist sie aus der Not geboren oder beruht von vornherein auf Fehlentscheidungen. Das heißt zumindest einmal, dass die Motive zum Eingehen einer Dreierbeziehungen genau hinterfragt werden sollten.

Im Neuen Testament ist die Ablehnung der Vielehe schon recht deutlich. Paulus hält sie unter anderem für nicht vereinbar mit der Vorbildfunktion eines Gemeindeleiters. In der Gesamtheit stellt sich die Ehe mit mehr als zwei Beteiligten für mich eher als Ausnahme zur Regel denn als Erweiterung der Regel dar. Sie ist ein vertretbarer Kompromiss, wenn es die gesellschaftlichen Verhältnisse erfordern, bringt aber meist mehr Schaden als Nutzen, mehr Fluch als Segen.

Hier liegt der wesentliche Unterschied zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Ich habe es bereits früher schon einmal geschrieben, für mich liegt auf der Ehe ein besonderer Segen Gottes, der allen zuteil wird, die die eheliche Beziehung nach Gottes Maßstäben leben und gestalten. Die gleichgeschlechtliche Ehe öffnet diesen Segen Gottes für Menschen, die ihn sonst nicht erleben könnten, sie vermehrt den Segen Gottes in der Welt. In einer Dreierbeziehung hingegen sehe ich keinen Segen Gottes, der auf anderem Wege nicht erreichbar wäre. Dafür gibt es aber jede Menge zusätzlicher Probleme.

Alle modernen Dreierbeziehungen, von denen ich bisher mitbekommen habe, werden gelebt nach dem Prinzip: „Wir schauen mal, ob es gut geht.“ Das ist für mich kein biblisches Ehemodell. Die eheliche Beziehung basiert auf gegenseitiger Liebe und Hingabe, aber die Ehe als Institution ist in ihrem Kern ein nüchternes Versprechen, ein rechtlich bindender Treueschwur. Beides ergänzt sich, gehört untrennbar zusammen, und sobald man eine dieser beiden Komponenten der biblischen Ehe weglässt, ist sie im Kern beschädigt. Die mir bekannten Beispiele von echten Dreierbeziehungen verstoßen also nicht unbedingt gegen biblische Ordnungen, weil sie aus drei Personen bestehen. Sie verstoßen aber in jedem Fall gegen biblische Ordnungen, weil sie den nötigen Willen einer lebenslangen Verbindlichkeit nicht erkennen lassen.

Für eine solche Verbindlichkeit fehlen auch alle Grundlagen. Der ethische und rechtliche Rahmen einer Ehe bedarf natürlich ständiger Weiterentwicklung, kann sich aber auf jahrtausendealte Erfahrungen stützen. Für Dreierbeziehungen müsste hier erst noch Pionierarbeit geleistet werden: Eigentumsrecht, Erbrecht, Scheidungsrecht, Konfliktlösungs-Strategien, Betreuungsformen im Krankheitsfall und nicht zuletzt das Adoptions- und Elternrecht: Die ungeklärten Fragen für eine tatsächlich nach biblischen Maßstäben gelebte Dreier-Ehe sind überwältigend, und ich möchte bezweifeln, dass sie jemals befriedigend geklärt werden können.

Der Dammbruch findet nicht statt. Selbst wenn man völlig ergebnisoffen an die Bibel herangeht, kommt man bei der Beurteilung neuer Beziehungsmodelle zu durchaus konkreten Ergebnissen. Sie sind vielleicht nicht so eindeutig, wie manche Christen sich das wünschen würden. Aber sie halten nebenbei die Tür offen für das Gespräch in gegenseitiger Achtung, für Gespräche, bei denen nicht die Moral, sondern die Bibel im Mittelpunkt steht. Das Wort Gottes, wenn man es denn wirklich zu Wort kommen lässt, besitzt große Kraft. Wer moralische Dämme für nötig hält, unterschätzt diese Kraft.

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