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Monatsarchiv: Juni 2016

#proudtobe

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Diese Woche erschien eine Zeit lang auf Youtube neben dem Logo ein Herz in Regenbogenfarben. Es war Teil und Zeichen einer Kampagne anlässlich des Pride Month in den USA, in der viele Youtuber in ihren Videos erklärten, stolz zu sein auf das, was sie sind.

Beim Wort Stolz klingeln bei vielen Christen die Alarmglocken. Nicht ganz zu unrecht, denn das, was hier mit Stolz gemeint ist, kann leicht mit Hochmut verwechselt werden, und das englische Wort pride lässt sich tatsächlich mit beiden deutschen Wörtern übersetzen. Dabei geht es um zwei grundverschiedene Haltungen.

Der Unterschied lässt sich am besten an einem weiteren Wort erklären: Selbstverwirklichung – ein Schlagwort, das unter Christen häufig mit deutlich negativer Konnotation verwendet wird, und das unter dem üblichen Problem leidet, wenn Worte zu Schlagworten werden: Niemand fragt mehr, was das Wort eigentlich bedeutet. Von welchem Selbst ist hier eigentlich die Rede? Es ist doch naiv anzunehmen, dass bei einem so komplexen Wesen wie dem Menschen der Begriff Selbst plötzlich eine einfache, klar umrissene Bedeutung haben könnte.

Dabei ist das erste Selbstbild des Menschen in der Bibel das des Ebenbildes Gottes, und David betet über den Mensch:

Du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Pracht krönst du ihn.

Das Selbst des Menschen ist also nach Absicht und Tat des Schöpfers der Abglanz der Herrlichkeit Gottes. Ein wirklich erhebender Gedanke, aber er wirft zwei neue Fragen auf: Warum um Gottes Willen soll es schlecht sein, dieses Selbst zu verwirklichen? Und wenn wir wirklich die Herrlichkeit Gottes widerspiegeln, was bleibt dann dabei noch übrig, das verwirklicht werden muss. Nun, es ist offensichtlich entlang des Weges eine Menge schief gegangen, und das nennt die Bibel Sünde. Leider ein Begriff, der mittlerweile so viele Bedeutungsänderungen erfahren hat, dass die ursprüngliche biblische Sicht erst mal aus diesen Zusatzbedeutungen archäologisch ausgegraben werden müsste. Es gibt aber einen vielleicht nicht ganz gleichwertigen, dafür wesentlich verständlicheren Begriff: Entfremdung

Wir kennen das Wort von Karl Marx, wo es natürlich keinerlei geistlichen Bezug hat, aber es ist viel älter und hat auch aus Marx‘ Feder sich nicht in seiner Kernbedeutung verändert. Wir sind von Gott entfremdet, Gott ist uns fremd geworden. Und damit sind wir auch unseren Mitmenschen, unserem gesamten Lebensumfeld und letztlich uns selbst entfremdet. Das göttliche Selbst, das Ebenbild Gottes in uns ist ein Fremdkörper geworden, zu dem wir den Kontakt verloren haben. Die Folgen sind bekanntermaßen verheerend. Gottfried Benn spricht zwar eher vom Verfall des Körpers, sein berühmter Satz trifft trotzdem: Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch.

Von welchem Selbst reden wir nun? Vom entfremdeten Selbst, das (im wahrsten Sinne des Wortes) ichsüchtig mit allen Mitteln zu ersetzen versucht, was es verloren hat? Oder vom Gott ebenbildlichen Selbst, das wir ja doch immer noch sind? Hier tut sich der feine und leicht übersehbare Abgrund auf zwischen Hochmut und Stolz. Hochmut, dem jedes Mittel recht ist, das eigene Ich in den Mittelpunkt zu stellen. Und Stolz, der die Herrlichkeit und Pracht Gottes im eigenen Ich erkennt und jedes Mittel ablehnt, das auch nur einen Schatten darauf werfen könnte. Zwei Haltungen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, aber doch sind die Übergänge dazwischen in der Praxis fließend.

Eine besonders augenfällige Eigenschaft der Schöpfung ist ihre überbordende Vielfalt. Sie ist keine zufällige Schwankung, kein Mangel an Reproduzierbarkeit. Sie ist der absichtsvolle Ausdruck des Reichtums und der Kreativität des Schöpfers. Und so bringt es Gott auch fertig, Milliarden von Menschen zu schaffen, alle nach seinem Bild gestaltet, aber alle unterschiedlich. Und auch wenn es viele Gemeinsamkeiten gibt, vieles, was für alle Menschen gleichermaßen gilt: Die Schöpferkraft Gottes findet ihren Ausdruck auch und vor allem in unserer Unterschiedlichkeit.

Die Videos mit dem Hashtag #proudtobe feiern diese Unterschiedlichkeit als Reichtum. Nur wenige loben dabei ausdrücklich den Schöpfer als Quelle dieses Reichtums, aber ich glaube, dass Gott auch gerne ein Lob für seine Schöpfung annimmt, wenn es nicht direkt an ihn gerichtet ist. Und sie feiern diese Unterschiedlichkeit nicht als Besitz, den sie haben, sondern als Gabe, die es zu entdecken und zu gestalten gilt, und für deren Entfaltung es sich auch zu kämpfen lohnt. #proudtobe steht nicht für Hochmut, sondern für Stolz; für Selbstverwirklichung im besten, christlichsten Sinne, nämlich dafür, die von Gott in uns angelegten Schöpfungsgedanken zu entdecken, zu entfalten, Wirklichkeit werden zu lassen.

Natürlich geht es bei der Youtube-Kampagne in erster Linie um die Vielfalt an sexuellen Identitäten. Das ist nur ein Teilaspekt des Reichtums in Gottes Schöpfung, aber eben ein wichtiger, zurecht viel diskutierter Teilaspekt. Natürlich geht es in erster Linie um die Sicht der Minderheiten, aber es sind ja gerade die Minderheiten, die diese Vielfalt ausmachen und den Reichtum des Schöpfers sichtbar werden lassen. Und damit bringe ich mich selbst ins Spiel. Als schwuler Cis-Mann gehöre ich unter den Minderheiten noch zu einer der größten Gruppen. Aber gerade meine homosexuelle Orientierung ist Teil des Reichtums und der Vielfalt in der Schöpfung. Sie ist Schöpfungsgedanke Gottes über mich, mir absichtsvoll und vertrauensvoll von einem liebenden Schöpfer mitgegeben, damit ich sie verantwortungsvoll zur Ehre Gottes entfalte. Ich versuche zumindest, diesem Vertrauen gerecht zu werden. Und dazu gehört auf jeden Fall:

Ich bin stolz, schwul zu sein.

Schuldbekenntnis

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Bei dem Massaker in Orlando im US-Bundesstaat Florida am 12. Juni 2016 wurden 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Damit ist es das folgenschwerste Attentat in den Vereinigten Staaten seit den Anschlägen vom 11. September 2001, der gravierendste einzelne Gewaltakt gegen Homosexuelle und eines der verheerendsten Massaker in der Geschichte des Landes.

So steht es heute, eine Woche danach, in der Wikipedia. Streng genommen sind es 50 Tote, der Attentäter wurde von der Polizei getötet. Ich möchte hier nichts verharmlosen, angesichts der ungeheueren Schwere seiner Schuld kann ich ihn nicht zu den Opfern zählen. Aber es erscheint wahrscheinlich, dass der abgrundtiefe Hass gegen Schwule und Lesben, der ihn zu dieser beispiellosen Tat getrieben hat, im Kern Selbsthass war.

Ein Anschlag dieses Ausmaßes wäre zurzeit wohl ohne einen gewissen islamistischen Hintergrund nicht denkbar, und was Hass und Gewalt gegen Schwule und Lesben betrifft, nehmen die islamischen Staaten zweifellos eine sehr traurige Spitzenposition ein. Aber Homophobie ist kein Phänomen, das sich auf den Islam beschränkt. Der Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung Homosexueller ist eine Menschenrechtsfrage, und die katastrophale Lage sexueller Minderheiten in islamischen Staaten ist Teil einer allgemein katastrophalen Menschenrechtslage in diesen Ländern.

In der westlichen Welt wird der Kampf gegen diese Menschenrechte vor allem mit christlichem Hintergrund geführt. Seit der Gleichstellung der Ehe vor knapp einem Jahr sind in den USA über 200 Bundesstaatsgesetze erlassen worden, die die Diskriminierung sexueller Minderheiten erleichtern oder sogar zum Inhalt haben. Es würde mich sehr wundern, wenn auch nur eines davon von einer muslimischen Interessengruppe durchgebracht worden wäre.

In Deutschland hat die Bundeskanzlerin Tage gebraucht, um die Zielgruppe des Massakers auch nur zu benennen. Zuvor hat sie von einem Anschlag auf die offene Gesellschaft geredet, von einer offene Gesellschaft, die für Schwule und Lesben auch in Deutschland in dieser Form nicht existiert. Frau Merkel hat sich in ihrer Amtszeit aktiv gegen diese offene Gesellschaft eingesetzt und musste sich dabei mehrfach vom Bundesverfassungsgericht über die Konsequenzen unserer freiheitlicher Verfassung bezüglich der Rechte Schwuler und Lesben belehren lassen.

Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland und Präsident der Vereinigung evangelischer Freikirchen, empört sich nicht über den Anschlag an sich, sondern nur über zwei Kommentatoren, die einen solchen Anschlag auch aus dem evangelikalen Fundamentalismus heraus für möglich erachten. Angesichts 49 toter Schwulen und Lesben wendet er sich gegen die Diffamierung von Christen und fordert sie dazu auf, fröhlich ihren Glauben (an die Sündhaftigkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen) zu bekennen.

Was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wer Ablehnung sät, wird Hass ernten. Wer Diskriminierung sät, wird Gewalt ernten. Auch Hass und Gewalt brauchen moralische Rechtfertigung, und Attentäter halten ihre Taten regelmäßig für berechtigt und sogar für gut. Das Massaker in Orlando hebt sich in seiner abgrundtiefen Schlechtigkeit weit ab von der alltäglichen Anfeindung und Diskriminierung, die Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle erfahren. Aber es wäre ohne diese Alltagsdiskriminierung nicht denkbar. In einer Gesellschaft. in der gleichgeschlechtliche Beziehungen von allen Seiten als normal und alltäglich angesehen werden, findet der Hass der Attentäter keinen Nährboden.

Deshalb bereiten auch Angela Merkel und Ansgar Hörsting den Nährboden für Hass und Gewalt, auch für Gewalttaten wie die in Orlando. Damit sind sie nicht allein. Auch ich habe meinen Beitrag zur Alltags-Homophobie geleistet und bin damit, wenn auch hoffentlich nur zu einem sehr geringen Maß, mitverantwortlich für die Tat und die Opfer. Und es wird höchste Zeit für mein Schuldbekenntnis:

Für zwanzig Jahre meines Lebens habe ich Schwulen und Lesben aktiv den Platz in der Mitte des gesellschaftlichen Lebens, vor allem des christlichen Lebens verweigert. Ich habe sie als krank bezeichnet und wirkungslose, gefährliche Therapien empfohlen. Ich habe ihre Beziehungsfähigkeit und moralische Integrität in Frage gestellt. Ich habe die Bibel verwendet, um gegen Menschenrechte, gegen Menschlichkeit, gegen Menschen vorzugehen. Ich habe Leiden verlängert, Verzweiflung hervorgerufen, Vertrauen auf Gott verhindert. Und bis heute mache ich mich der Sünde des Unterlassens schuldig. Ich setze mich zu wenig aktiv, zu wenig mutig gegen Diskreditierung und Diskriminierung der Randgruppe ein, der ich selbst angehöre.

Die meisten dieser Sünden richteten sich gegen mich. Es erleichtert mein Gewissen, dass ich selbst mein größtes Opfer war, es macht aber meine Worte und Taten nicht weniger schlimm, nicht weniger sündig. Und ich habe auch meine Meinungen und Überzeugungen verbreitet und Gleichgesinnte unterstützt. Auch wenn ich aus meiner Erinnerung kein konkretes Opfer meiner Taten benennen könnte: Das heißt nicht, dass ich nicht auch einzelnen Menschen konkret geschadet habe. Mit Sicherheit habe ich zur homophoben Stimmung in Gemeinde und Gesellschaft, zur Alltagshomophobie beigetragen. Und nicht zuletzt habe ich Gottes Güte zu wenig vertraut. Ich habe zu wenig vertraut, dass er Lösungen bieten kann, wo Menschen nur Gebote sehen, dass seine Größe, Kreativität und seine Liebe nicht durch meine Vorstellungskraft begrenzt wird. Ich habe, privat und öffentlich, Gott schlechtgemacht und seinen Ruhm geschmälert.

Ich bekenne meine Schuld, und ich bitte Gott und die LGBT-Community um Vergebung.

Pulse, Orlando

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Diverse Medien berichten gerade über eine Schießerei im Nachtclub Pulse in Orlando. Die Situation ist noch recht unübersichtlich, die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, und natürlich gibt es zur Zeit noch keine Informationen über die Motive des Täters. Aber es steht fest: In der vergangenen Nacht wurde in Orlando, Florida, zahlreiche Menschen ermordet, weil sie sich in einem Schwulenclub aufgehalten haben.

Letzte Woche habe ich diesen Satz formuliert:

Der Friede Gottes hat sich seinen Platz im Innersten meines Herzens zurückerobert und hat für mich einen Rückzugsort geschaffen, an dem ich mich sicher und geborgen fühle.

Eigentlich wollte ich heute mehr darüber schreiben, aber angesichts der Ereignisse der vergangenen Nacht bleiben mir die Worte Sicherheit und Geborgenheit im Halse stecken. Bars und Nachtclubs gehören traditionell zu den Schutz- und Rückzugsorten der LGBT-Community. Unabhängig von den Motiven des Täters: Die Schüsse im Pulse treffen uns mitten ins Herz.

Viele Menschen sind für immer zum Schweigen gebracht worden. Der Rest von uns wird umso lauter sprechen.

Die Angriffe auf unsere Sicherheit gehen weiter. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man uns abgrundtief hasst oder nur ungleich behandelt. Natürlich macht es einen Unterschied, ob der Angriff unserer körperlichen Unversehrtheit oder nur unserem Selbstwertgefühl gilt. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man mit geladenen Schusswaffen oder mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelstellen auf uns zielt. Dennoch ist jeder Angriff einer zu viel, nicht nur weil jeder Angriff Wunden hinterlässt, sondern weil jeder Angriff die Hemmschwelle für den nächsten Angreifer senkt. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

 

Zumutbarkeit

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Heute startet in meiner Gemeinde ein faszinierendes evangelistisches Projekt. Sechs Wochen lang soll sich alles darum drehen, wie wir unseren Freunden und Bekannten Jesus näher bringen. Es gibt dabei keine der üblichen evangelistischen Predigten, keine durchgeplanten Evgangelisationsveranstaltungen und erst recht nicht dieses Kühlschränke-an-Eskimos-verkaufen, das Kennzeichen so vieler Evangelisationsversuche ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie man die frohe Botschaft so an Freunde weitergeben kann, dass es zu einem selber passt und zu den Freunden. Eine tolle Aktion. Trotzdem weiß ich nicht so recht, wie ich mich daran beteiligen soll.

Um hier keine Zweifel aufkommen zu lassen: Jesus ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Wenn ich mir bei allem, was ich mit ihm und wegen ihm durchgemacht habe, die Frage stelle, ob es das wert war, ist die Antwort ein klares und eindeutiges Ja. Aber ich habe viel mit ihm durchgemacht und kann das nicht einfach so ignorieren. Und wenn ich mich ehrlich frage, ob ich all das auch einem meiner Freunde zumuten möchte, muss ich mit Nein antworten.

Man sagt ja immer, Computer würden nur die Probleme lösen, die man ohne sie gar nicht hätte. Vieles von dem, was ich mit Jesus erlebt habe, fällt in eine ganz ähnliche Kategorie. Ohne die damals gängige Bibelauslegung und ohne meine Liebe zu Jesus hätte ich mit Mitte zwanzig begonnen, mich nach einem Lebenspartner umzusehen, und nicht erst mit Mitte vierzig. Zwanzig Jahre geistlich begründete Selbstablehnung wären mir vermutlich erspart geblieben, und viele der verzweifelten Kämpfe, in denen mein letzter Halt Jesus war, hätte ich ohne ihn gar nicht erst kämpfen müssen.

Mir ist sehr bewusst, dass die Suche nach dem „Schuldigen“ mich ebensowenig weiter bringt wie was-wäre-wenn-Phantastereien. Aber meine persönliche Glaubensgeschichte ist so, wie sie ist, und wenn es darum geht, Freunden von Jesus zu erzählen, kann man die eigene Geschichte nicht außen vor lassen. Nicht, dass ich nicht darüber reden möchte. Wie Petrus das in seinem ersten Brief fordert, bin ich gerne bereit, jedem, der es hören will, von mir und meinen Erlebnissen mit Jesus zu berichten. Mir macht das jedes Mal großen Spaß, und ich glaube, ich mache das auch gar nicht schlecht. Ich habe nur im Moment das deutliche Gefühl, das ich nichts zu erzählen habe, mit dem ich aktiv auf andere zugehen kann.

Ich bin schwul und auf der Suche nach einem Partner. Ich halte die Ehe für alle sowohl aus christlicher Überzeugung als auch aus Sicht der Menschenrechte ethisch und moralisch für unabdingbar. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind es bisher ausschließlich Christen, die mit dieser Position ein Problem haben. Und die Nichtchristen haben ein Problem damit, dass die Christen ein Problem damit haben. Keiner meiner nichtchristlichen Freunde versteht die ablehnende Haltung vieler Christen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen.

Wie kann ich ihnen begreiflich machen, warum ich selbst über zwei Jahrzehnte hinweg in dieser ablehnenden Haltung fest hing, obwohl sie mich immer wieder zur Verzweiflung und zeitweise bis an den Rand des Selbstmords geführt hat. Wie kann ich für die Beziehung mit Jesus werben, wenn diese Beziehung mich überhaupt erst in diese Bredouille gebracht hat? Wie schön, das mir Jesus in diesen schwierigen Situationen immer wieder geholfen hat, aber wäre es nicht viel besser gewesen, wenn er mich gar nicht erst in diese im Rückblick ja völlig unnötigen Situationen gebracht hätte?

Bin ich heute wieder in derselben Situation wie zu ProChrist 1997? Ich denke, ich könnte kaum weiter davon entfernt sein. Ich will nicht leugnen, dass die Erlebnisse und die Gefühle von damals bis heute Auswirkungen auf mein Leben haben. Aber der Friede Gottes hat sich seinen Platz im Innersten meines Herzens zurückerobert und hat für mich einen Rückzugsort geschaffen, an dem ich mich sicher und geborgen fühle, und der mir damals völlig gefehlt hat.

Ich erzähle gerne jedem, der mich fragt, von diesem Frieden, und ich denke, für mich war es dieser Friede letztlich wert, die ganzen verschlungenen und leidvollen Wege zu gehen. Aber anderen diese Wege als zumutbaren Preis für die Nachfolge Jesu zu verkaufen? Auf gar keinen Fall!