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Gott, der Mensch gewordene

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Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.

Gott ist Mensch geworden, um uns zu retten. Ein einfacher Satz, der so viel Geheimnisvolles in sich birgt, das wir unser ganzes Leben mit dem Versuch verbringen können, ihn wirklich zu verstehen. Wir können es auch bleiben lassen, denn um durch Jesus gerettet zu werden, muss man seine Rettungstat glücklicherweise nicht gänzlich verstehen. Ich bin sogar der Meinung, dass man Jesus noch nicht einmal kennen muss, zumindest nicht unter diesem Namen, um von ihm gerettet zu werden. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Dabei übersehen wir leicht, dass es auch von Gottes Seite ein gewisses Verständnisproblem gibt. Die Versuchung ist beständiger, ja fast schon definierender Teil des Menschseins. Wir besitzen die im Grunde sehr erstaunliche Fähigkeit, das Richtige zu erkennen, und trotzdem das Falsche zu tun. Moralisch richtiges Handeln setzt für uns eine aktive, häufig eine schwierige Entscheidung voraus. Die besten Denker der Menschheit haben viel Zeit damit zugebracht zu überlegen, wie diese Entscheidungen besser und einfacher zu treffen sein könnten.

Um dieses Dilemma geht es auch, wenn die Bibel von Versuchung spricht. Und dieses Dilemma ist etwas, das Gott tatsächlich nicht kennt, das seinem Wesen nicht entspricht. Wie könnte Gott versucht werden? Wie könnte Gott durch Kräfte außerhalb von ihm dazu verleitet werden, etwas Unrechtes zu tun? Der Schöpfer des Universums ist immer mit sich selbst eins und kennt keine inneren Konflikte.

Gott ist Mensch geworden, um uns zu retten. Er ist aber auch Mensch geworden, um sich bewusst den Umständen auszusetzen, die für uns Menschen Teil unserer Existenz sind, für die bei Gott aber eigentlich kein Platz ist. Und dazu gehört auch, versucht zu werden. Im eingangs zitierten Vers aus dem Hebräerbrief ist mit dem Hohepriester natürlich Jesus gemeint. Er hat Versuchung erlebt, und zwar nicht einfach nur so, sondern „in allem“ und „wie wir“.

Es gab im Leben Jesu eine kurze Episode in der Wüste, die in den meisten Bibeln mit „Versuchung Jesu“ überschrieben wird. Es waren Versuchungen besonderer Art, die Jesus in dieser Situation erlebt hat, aber es waren nicht seine einzigen. Er wurde nicht nur einzelnen Versuchungen ausgesetzt, damit dem Prinzip genüge getan würde. Der Teufel hat ihm nicht nur diesen Musterkoffer mit einer Auswahl erlesenster Versuchungen präsentiert.

Dass Jesus in allem wie wir versucht wurde, ist bestimmt auch theologisch sehr interessant, aber für mich bedeutet diese Tatsache vor allem persönlich sehr viel. Er versteht. Ich muss ihm nichts erklären. Dass er es fertig gebracht hat, der Versuchung nicht nachzugeben, heißt nicht, dass sie bei ihm weniger stark war. Und es heißt vor allem und ganz entschieden nicht, dass es ihm leicht gefallen sei. Er kann mitfühlen mit meiner Schwachheit, weil er selbst schwach war, müde, abgekämpft, enttäuscht, mutlos. Da ist kein: „Jetzt stell Dich nicht so an!“. Da ist ein „Ich weiß.“ Und wenn es nötig ist und er es mir zutraut, ist da ein „Ich weiß, aber …“

Denn Gott will mich natürlich jeden Tag ein wenig zu einem besseren Menschen machen. Er will, dass ich lerne, Versuchungen zu widerstehen. Dabei kennt er den Weg, weil er ihn selbst schon gegangen ist. Meine Stolperschritte, mein Versagen, meine Rückschläge machen ihm nichts aus, weil er sehr genau ihre Ursachen kennt, sie selbst erlebt hat. Es ist ja schon nett, wenn der allmächtige Gott bereit ist, meine Schwachheit als Mensch zu akzeptieren. Jesus hat aber so viel mehr getan: Er hat sich freiwillig dazu entschieden, diese Schwachheit zu teilen.

„Lass mir das Ziel vor Augen bleiben“, so heißt es in einem Lied. Eigentlich ein guter Ratschlag, aber ich stelle immer wieder fest, dass ich auf diese Weise gerade bei den großen, bei den schwierig zu erreichenden Zielen Jesus aus den Augen verliere. Denn der Mensch gewordene Jesus wartet nicht am Ziel auf mich. Er geht mit mir.

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