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Anbetung

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Weihnachten! Der Tag gehört bei mir traditionell der Familie und unseren Gästen. Deshalb gibt es heute nur einen kurzen Eintrag, den ich schon am letzten Wochenende vorab geschrieben habe, und der heute (hoffentlich) automatisch online gehen sollte.

Der Tag gehört auch der Anbetung des neugeborenen Königs der Juden, unseres Herrn. Meine erste „Weihnachtsbotschaft“ in diesem Blog habe ich schon letzte Woche veröffentlicht. Heute möchte ich ein wenig Gelegenheit zur Anbetung geben, und zwar mit einem der schönsten Anbetungslieder, die je geschrieben wurde. Es ist kein modernes Lobpreis-Lied, der Sprache merkt man die vergangenen Jahrhunderte deutlich an. Leider wird es – wie so viele Lieder dieses Autors – nur sehr selten in voller Länge gesungen, denn gerade als Gesamtkunstwerk entfaltet es seine außergewöhnliche Tiefe. Deshalb hier zum Festtag in voller Länge der wunderschöne Text von Paul Gerhardt:

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht‘,
wie schön sind deine Strahlen!

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!

Wann oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
rufst du mir zu: „Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden.
Was trauerst du, o Bruder mein?
Du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.“

O daß doch so ein lieber Stern
soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören güldne Wiegen.
Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht,
Samt, Seide, Purpur wären recht,
dies Kindlein drauf zu legen!

Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
ich will mir Blumen holen,
daß meines Heilands Lager sei
auf lieblichen Violen;
mit Rosen, Nelken, Rosmarin
aus schönen Gärten will ich ihn
von oben her bestreuen.

Du fragest nicht nach Lust der Welt
noch nach des Leibes Freuden;
du hast dich bei uns eingestellt,
an unsrer Statt zu leiden,
suchst meiner Seele Herrlichkeit
durch Elend und Armseligkeit;
das will ich dir nicht wehren.

Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
daß ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

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