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In a Heartbeat

Veröffentlicht am

Ich bin zuweilen etwas langsam. Nicht nur, weil dieser Beitrag erst an einem Montag fertig wird, obwohl ich normalerweise versuche, sonntags zu veröffentlichen. Auch mit dem heutigen Thema springe ich auf einen längst fahrenden Zug auf. Der computeranimierte Kurzfilm In a Heartbeat, um den es heute gehen soll, wurde genau vor zwei Wochen veröffentlicht. Seitdem hat gefühlt schon alle Welt darauf reagiert, und jetzt komme ich auch noch hinterher. Aber für mich ist das nur vier Minuten lange Video zu wichtig geworden, um es zu übergehen.

Es ist eine wunderbare, herzerwärmende kleine Geschichte, noch dazu handwerklich perfekt und sehr liebevoll animiert, aber sie hat auf mich eine sehr starke und sehr schmerzhafte Wirkung. Ich meine natürlich die Stelle, als der Protagonist sein verliebtes Herz zerreißt. Er tut dies aus Angst, ja aus Panik, und weil er in diesem Augenblick keinen anderen Ausweg sieht, aber er tut es dennoch bewusst. Ihm wird nicht das Herz gebrochen, er bricht es selbst, weil die Gefühle, die er für den anderen Jungen hegt, in seiner Weltsicht nicht existieren dürfen. Ein Gefühl, das bestimmt nicht nur schwule und lesbische Menschen kennen, aber das für uns in besonderer Weise nachvollziehbar ist, weil es für die meisten von uns zur persönlichen Geschichte und für viele leider auch zur persönlichen Gegenwart gehört.

Ich habe diesen Blog Herz im Wandschrank genannt, weil der Wandschrank (Closet) im Englischen sprichwörtlich der Ort ist, an dem man seine sexuelle Identität vor anderen versteckt. Im Film kommt kein Schank vor, aber er drückt besser als dieser aus, was dieses Verstecken bedeutet und welche Konsequenzen es für das eigene Herz hat. Und der Film zeigt mir, dass ich diese Konsequenzen in meinem Leben immer noch unterschätzt habe.

Ich spüre das an den Gefühlen, die er bei mir auslöst. Das zerrissene Herz erschüttert mich zutiefst, das Happy End hat auf mich kaum eine emotionale Wirkung, der Film lässt mich mit einem Gefühl des Schmerzes und des Schreckens zurück. Ich blogge jetzt schon eineinhalb Jahre darüber, wie ich mein Herz aus dem Wandschrank befreie, aber irgendwo in meinem Inneren bin ich immer noch der Junge, der einsam und traurig unter dem Baum sitzt mit dem Bruchstück seines Herzens in der Hand, das er selbst zerstört hat.

Seelische Veränderungen dauern lange. Und manchmal sind alles Wissen und Verstehen, alle Entscheidungen und äußeren Umstände nutzlos, um wirklich die Seele zu erreichen. Da braucht es schlicht und einfach Heilung. Und ich bin froh, dass ich einen Gott habe, der Heilung zu seinem Kerngeschäft gemacht hat. Es ist nicht das erste Mal, dass Gott ein Werk der Kunst wie dieses Video benützt, um sich um meine Ängste und Blockaden zu schleichen, um Licht in meine dunklen Ecken zu bringen, um verborgene Gefühle an die Oberfläche zu bringen.

Die Stimme Gottes erreicht uns auf unterschiedlichsten Wegen. Zu mir spricht er gerade durch diesen wunderbaren Kurzfilm. Die Gefühle, die das bei mir auslöst, sind derzeit noch schmerzhaft und bitter. In ein paar Monaten vielleicht werde ich diesen Film anschauen und mich über das Happy End von Herzen freuen können. Dann wird Gott wieder mal eines seiner Heilungswunder an mir vollbracht haben.

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