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Wo drückt der Schuh?

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Letzte Woche habe ich davon geschrieben, wie gefährlich Glaubensgrundsätze sein können. Trotzdem kommen wir nicht ohne sie aus. Es ist einfach nicht möglich bzw. würde uns völlig überfordern, ständig alle Glaubensfragen durch ausführliche, fundierte und gründliche Analyse der Bibel zu beantworten. Glaubensgrundsätze bieten nicht nur Halt und Sicherheit, sondern sind auch ein Gebot der Denkökonomie.

Deshalb die Frage in der Überschrift. Was stört mich gerade oder quält mich sogar? Wo werden meine Grundsätze und Überzeugungen zu einem Hindernis im Alltag, wo hindern sie mich daran, mich so zu bewegen, so zu sein, wie ich das eigentlich für richtig halte? Und natürlich: Welche meiner Überzeugungen stören oder gar quälen andere? Kurz: Wo drückt – mich und andere – der Schuh?

So ein Befund heißt natürlich nicht automatisch, dass diese Grundsätze und Überzeugungen falsch sind. Aber er ist ein deutliches Warnsignal, das nicht ignoriert werden darf. Und er ist ein Auftrag, die so befundenen Grundsätze bei nächster Gelegenheit einer gründlichen Nachprüfung zu unterziehen. Ich meine wirklich und ernsthaft bei nächster Gelegenheit. Und das schreibe ich an dieser Stelle vor allem für mich selbst, weil ich solche Überprüfungen viel zu oft auf die lange Bank schiebe, weil ich nicht gut genug darin bin, die nächste Gelegenheit auch wahrzunehmen.

Wenn der Schuh drückt, sollte man nachschauen warum, und sich nicht wegen eines Problems, das sich vielleicht beheben lässt, die Füße wund laufen. Wer seine Überzeugungen und Grundsätze nicht überprüft, wen sie weh tun, der läuft Gefahr, sich die Seele wund zu laufen, was ja viel schlimmer ist. Viele Schrammen und Schürfwunden an meiner Seele wären vermeidbar gewesen, wenn ich in der Vergangenheit gründlicher und konsequenter geprüft hätte. Es war Anfang 2015, als ich endlich erkannt habe, dass Gott einem wichtigen Teil meiner Persönlichkeit gar nicht ablehnt. Das Buch, das mir bei dieser Erkenntnis maßgebend geholfen hat, ist im Jahr 2001 erschienen.

Wohlgemerkt, ich schreibe immer noch von Warnsignalen, von Gründen, die eigene Überzeugung zu überprüfen. Ich schreibe nicht von Beweisen, dass diese Überzeugungen falsch seien. Das letzte Wort hat für mich immer noch die Bibel. Aber bevor ich hier noch ein Fass aufmache, was das in der Praxis heißt, komme ich noch mal zu den Warnsignalen zurück. Es gibt nämlich noch zwei weitere, die durchaus wichtig sind, die ich aber auch schon sehenden Auges ignoriert habe.

Das erste kommt aus der Frage, welches Gottesbild aus einer bestimmten Überzeugung, einer theologischen Position folgt. Ich habe hier schon davon geschrieben, wie mir Gott wie ein Gott der Willkür und der Trostlosigkeit erschien. Früher hätte ich das nicht so krass formuliert. Man muss aus einem Albtraum aufwachen, um zu erkennen, dass es ein Albtraum war. Aber wenn ich an die Krisen und Streitereien mit Gott zurückdenke, war mir eigentlich immer klar, das hier etwas ganz grundlegend nicht zusammen passt, dass der Gott, der meine sexuelle Orientierung ablehnt, ein ganz anderer Gott ist als der, den ich sonst so erlebe. Lange Zeit habe ich die Schuld bei mir selbst gesucht, bei meinem mangelnden Gehorsam, meiner mangelnden Bereitschaft zur Veränderung. Heute weiß ich: Das war die falsche Antwort, und ich hätte mich nicht mit ihr zufrieden geben dürfen.

Im wunderbaren Spielfilm Best Exotic Marigold Hotel sagt der junge, optimistische Hotelmanager Sonny:

Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

Realistischerweise muss man dagegenhalten, dass nicht alles in dieser Welt gut endet, und dass Gott manches Happy End aufs Jenseits verschiebt. Aber wenn einem angeblich biblische Positionen derart das Gottesbild und die Beziehung zu ihm versauen, dann gibt es keinen Grund und keine Rechtfertigung, sich mit so einem „Ende“ zufrieden zu geben, dann ist das Ende der guten, geistlichen Erkenntnis noch nicht erreicht. Die Bibel ist dazu da, uns Gottes Größe zu zeigen. Wo sie das nicht tut, haben wir die Bibel noch nicht verstanden.

Und nun vom guten Film zur schlechten Serie, es folgt der Cliffhanger: Das letzte Warnsignal, von dem ich schreiben will, verdient eine ausführliche Darstellung und kommt deshalb nächste Woche.

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