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Die biblische Ehe im Wandel der Zeit

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Die Bibel ist der richtige Ort für jeden, der nach ewigen Wahrheiten sucht. Sie ist voll davon. Aber dennoch ist bei weitem nicht alles, was in der Bibel steht, ewige Wahrheit. Manchmal kann es sogar im Grundsatz falsch sein, in der Bibel nach ewigen Wahrheiten zu suchen, nämlich genau dann, wenn es um Themen geht, die ihrer Natur nach nicht ewig sind, die keine ewige Gültigkeit haben. Eines der wichtigsten derartigen Themen ist die Ehe.

Nicht nur dass jede Ehe (spätestens) mit dem Tod eines Partners für alle Zeiten endet, auch die Institution Ehe an sich wird mit dieser Welt enden, wenn der Herr einmal alles neu machen wird. Die Sadduzäer weisen im Gespräch mit Jesus zurecht darauf hin, dass unsere Vorstellung von Ehe zu Widersprüchen führt, wenn es stimmt, dass die Menschen von den Toten auferstehen und ewig leben werden. Sie wollen damit die Vorstellung der Auferstehung ad absurdum führen, aber Jesus macht klar, dass es das Konzept der Ehe ist, das aufhören wird zu existieren, nicht der Mensch. Es mag ja romantisch sein, wenn sich Verliebte ewige Liebe schwören, biblisch gesehen ist das Unsinn.

Darüber hinaus ist unsere Vorstellung von der Ehe schon in dieser Welt immer wieder Veränderungen unterworfen. Das liegt auch und gerade an ihrer immensen Wichtigkeit: Gerade weil die Ehe von so großer Bedeutung für das Zusammenleben und den Zusammenhalt einer Gesellschaft ist, kann sie keinesfalls unabhängig und losgelöst von den gesellschaftlichen Umständen gelebt werden. Sie hat ihren unveränderlichen Kern, nämlich den Menschen als Schöpfungswerk Gottes. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Aber die praktische Ausgestaltung dieser göttlichen Ordnung muss sich nach den jeweiligen Möglichkeiten richten, muss sich den Rahmen menschlicher Ordnung geben. Die Ehe ist, wie Luther sagt, ein weltlich Ding. Die protestantische Christenheit versteht unter einer kirchlichen Trauung nicht, dass zwei Menschen in die göttliche Ordnung der Ehe eintreten, sondern dass sich Gott selbst zu der nach Menschenordnung geschlossenen Ehe bekennt und sie segnet.

Im Mittelpunkt steht der Mensch. Es geht nicht darum, abstrakten göttlichen Prinzipien zur Geltung zu verhelfen. Wie immer bei ethisch-moralischen Fragen geht es darum, die Lösung zu finden, mit der der Mensch als Geschöpf Gottes am besten zur Ehre Gottes leben kann. Dass dabei immer wieder Kompromisse gemacht werden müssen, ist in Ordnung, denn Gott selbst macht es so. Schon die Ehescheidung ist so ein Kompromiss, der immer wieder hinterfragt werden muss. Jesus verurteilt den Wildwuchs in dieser Frage, aber schon wenige Jahrzehnte später öffnet Paulus im ersten Korintherbrief wieder eine neue Möglichkeit für Menschen, deren Partner sich wegen ihres neuen Glaubens an Christus von ihnen getrennt haben. Er macht das nicht, weil er Jesu Worte nicht ernst nimmt, sondern weil neue gesellschaftliche Randbedingung eine Neujustage dieses Kompromisses notwendig gemacht haben.

Die Bibel versucht sich immer wieder an dieser Neujustage ehelicher Prinzipien, manchmal auch vergebens. „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen“, steht gleich zu Anfang, und wir überlesen aus unser heutigen Sicht allzu leicht, wie provozierend, ja revolutionär dieser harmlos aussehende Halbsatz in einer durch und durch patriarchalischen Gesellschaft geklungen haben muss. Einer der (aus heutiger Sicht) skurrilsten Kompromisse mit den Prinzipien der Ehe wird von Gott selbst geboten, nämlich die Schwagerehe: Wenn ein verheirateter Mann kinderlos stirbt, soll seine Witwe seinen nächst jüngeren, ledigen Bruder heiraten. Eine Regel, die nur unter den Bedingungen der damaligen Gesellschaft halbwegs verständlich ist, und auch nur in der damaligen Gesellschaft Sinn ergibt. Sie ist nach meiner Meinung der Inbegriff eines geringeren Übels, geboten von Gott unter bewusster Missachtung der Schöpfungsprinzipien der Ehe. Und sie wäre völlig unnötig, wenn das mit dem Mann, der Vater und Mutter für seine Frau verlässt, auch nur ansatzweise gesellschaftliche Realität gewesen wäre.

Nur Rechthaber und Idioten bestehen auf dem Idealfall. Der gute Hirte achtet stets darauf, seinen Schafen nicht zu weit voraus zu sein. Was die Bibel zur Ehe schreibt, ist durchweg geprägt von dem Wunsch Gottes, die realen Verhältnisse der Ehe zu verbessern. Es ist damit zwangsläufig auch durchweg von den gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Entstehungszeit geprägt. Wer versucht, diese Unterweisungen eins zu eins auf heutige Verhältnisse anzuwenden, geht an ihrem Kern vorbei. Schlimmer noch: Er läuft Gefahr, ihren Sinn ins Gegenteil zu verkehren. Schwagerehen sind nicht mehr nötig. Was vor dreitausend Jahren ein großer Fortschritt war, kann heute ein massiver Rückschritt sein.

Der sorgfältige Ausleger sieht sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, die konkrete, biblische Unterweisung von ihren gesellschaftlichen Ursachen zu befreien und den verborgenen Kern, das Schöpfungsprinzip dahinter freizulegen. So und nur so kann aus dem biblischen Wortlaut wirklich eine segensreiche Hilfestellung für heutige Ehen gewonnen werden. Wir haben es nötig.

Dies ist wieder mal der Anfang einer kleinen Serie. Ich möchte mich in den nächsten Wochen ein wenig dieser Aufgabe zu widmen, auch wenn ich als Single und Laie vielleicht nicht der geeignetste Kandidat dafür bin. Aber das Verständnis gleichgeschlechtlicher Ehen steht und fällt mit dem richtigen Verständnis der Ehe an sich, und ich denke, ich kann da zumindest ein paar Missverständnisse ausräumen.

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  1. Pingback: Beweislast | Herz im Wandschrank

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