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Archiv der Kategorie: in eigener Sache

Jubiläum

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Am 6. März 2016 habe in diesem Blog den ersten Eintrag veröffentlicht. Herz im Wandschrank feiert sein Einjähriges. Ich habe mir damals vorgenommen, jede Woche einen Beitrag zu schreiben. Im Moment, also während ich diesen Beitrag schreibe, zeigt mir WordPress an, dass ich 50 veröffentlichte Einträge habe. Ich habe meinen Vorsatz also immerhin fast eingehalten.

Wöchentlich zu schreiben, war für mich eine Herausforderung, die ich mir bewusst gestellt habe, um dran zu bleiben. Die Schreiberei geht mir nicht leicht von der Hand, und der wöchentliche Termin hat mir geholfen, meine zahlreichen Ideen auch in fertige Texte umzusetzen. Allerdings hat mir auch schon der eine oder andere Leser gesagt, dass er bei meiner Produktionsrate mit dem Lesen nicht hinterher käme. Das passt mir ganz gut in den Kram, denn auch mir wird der bisherige Rhythmus ein wenig zu stressig. Über viele wichtige Themen habe ich bereits geschrieben. Auch wenn mir die Ideen nicht ausgehen, so werden sie doch nach 50 Einträgen etwas rarer und häufig auch schwieriger umzusetzen. Außerdem wird mir etwas mehr Zeit für andere Aufgaben gut tun. Der Sonntag bleibt der Tag für neue Einträge, es wird aber eher jeder zweiter Sonntag sein.

Der Auslöser, diesen Blog anzufangen, war ein Gesprächsabend zum Thema Homosexualität in der Gemeinde. Ich konnte bei dieser Gelegenheit ein ca. halbstündiges Referat halten. Ich bin heute noch dankbar für diese Gelegenheit, meine Positionen zu vertreten, weil ich weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Aber es war mir damals schon klar (und hat sich bis heute so bestätigt), dass dies für lange Zeit meine einzige Gelegenheit sein wird, in der Gemeinde öffentlich über das Thema zu reden. Und schon beim Vorbereiten war klar, dass eine halbe Stunde keinesfalls genügt, meine Überzeugungen in angemessener Weise darzustellen und zu begründen.

Der Blog ist dann zu meiner Stimme geworden, zu dem Ort, an dem ich öffentlich und in der nötigen Ausführlichkeit schreiben kann, was mir wichtig ist. Und das Niederschreiben der eigenen Gedanken hilft natürlich auch dabei, diese zu sortieren und zu Ende zu denken. Der Blog hat mir geholfen, meine Überzeugungen zu festigen und mit konkreten, nachprüfbaren Argumenten zu untermauern. Und er stellt für mich ein Archiv dar, aus dem ich zu zahlreichen Einzelthemen einen fertig formulierten Text ziehen kann, frei nach Jean Pütz: Ich hab da schon mal was vorbereitet. In manchen Gesprächen konnte ich dieses Archiv schon nutzen, in anderen habe ich Lücken darin entdeckt, die wiederum Themen für neue Einträge geliefert haben.

Natürlich schreibe ich nicht nur für mich selbst. Die WordPress-Statistik weist gerade eine Gesamtsumme von 1078 Seitenaufrufen aus. Das ist eine ganze Menge, aber ich denke, damit bin ich eine der kleineren Stimmen im Chor. Ich habe nicht die Beharrlichkeit und theologische Brillanz von Valeria Hinck, nicht die umfassende Fachkunde der Macher von kreuz & queer und nicht die Netzwerker-Fähigkeiten, mit denen Patrick horeb.world aufbaut. Aber ich versuche, mit meiner Stimme, mit meinem persönlichen Stil zur gemeinsamen Sache beizutragen, und ich glaube, dass es gut und wichtig ist, dass ich das tue. Und ich werde es weiterhin tun. Deshalb auch weiterhin vielen Dank fürs Lesen, fürs Kommentieren und fürs Teilen.

Genus und Gender

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Die deutsche Sprache kennt drei grammatikalische Geschlechter: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Was sie daraus macht, ist nicht immer logisch und bei weitem nicht immer sachgerecht. Schon Mark Twain hat sich darüber beschwert, dass Mädchen nach der deutschen Grammatik nicht weiblich sein dürfen. Das sorgt für Verwirrung und viele als falsch angestrichene Pronomina in Schüleraufsätzen, aber letztlich handelt es sich dabei um eine grammatikalische Kuriosität.

Aber Sprache besteht nicht nur aus der Einhaltung von Grammatikregeln. Sprache drückt Gedanken, Meinungen und Tatsachen aus. Sprache erzeugt immer auch Wirkung, davon ist die Grammatik nicht ausgenommen. Und wer sich als deutsch Sprechender oder Schreibender dieser Wirkung bewusst ist, stolpert immer wieder über die Besonderheiten der deutschen Sprache, gerade wenn es um Menschen unterschiedlicher geschlechtlicher Identität geht.

Größtes und bekanntestes Übel ist da sicherlich das generische Maskulinum. Schreibt man zum Beispiel von einem Lehrer, denken die meisten Leser an einen männlichen Angehörigen dieser Berufsgruppe, denn ansonsten würde man die Bezeichnung Lehrerin erwarten. Trotzdem soll der Begriff auch herhalten, wenn von einer Gruppe mit gemischter Zusammensetzung die Rede ist, oder wenn man nur allgemein von einem Mitglied des Lehrerkollegiums schreiben will. In beiden Fällen schließt nach den Regeln der deutschen Grammatik das Wort Lehrer ausdrücklich auch weibliche Personen mit ein.

Das ist zunächst unhandlich, aber es ist auch bedeutend mehr. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen häufig trotz gleicher Qualifikation und Aufgaben weniger verdienen als Männer, in der sie oft auch weniger berufliche Möglichkeiten und Aufstiegschancen haben, und wenn eine Führungskraft weiblich ist, spielen für viele Medien Frisur und Kleidung eine größere Rolle als Programme und Entscheidungen. Das generische Maskulinum ist zugleich Ausdruck und Verfestigung dieser gesellschaftlichen Realitäten.

Bei manchen Begriffen finden sich mehr der minder brauchbare Ersatzwörter. Ich habe schon die Bezeichnung Mitglied des Lehrerkollegiums verwendet, kürzer und allgemeiner kann man geschlechtsneutral von der Lehrkraft schreiben. Aus dem Studenten wird der Studierende, beim Schüler wird es schon deutlich schwieriger. Dann gibt es die Lösungen mit Binnenmajuskel (SchülerIn), Gendergap (Schüler_in) und Gendersternchen (Schüler*in). Das sind gute Ideen für Texte, die ohnehin naturgemäß sperrig zu lesen sind, wie Formulare, Verordnungen, Satzungen usw., aber sie haben keine Entsprechung im gesprochenen Wort und stören deshalb auch in geschriebenen Texten den Lesefluss. Der Physiker Martin Bäker verwendet in vielen seiner Blogeinträge ausschließlich weibliche Wortformen und Pronomina, und zwar selbst wenn es um eindeutig männliche Personen geht. Das ist zunächst sehr ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit sehr flüssig zu lesen. Das ist aber auch eine sehr radikale Maßnahme und in sich wiederum auch alles andere als geschlechtergerecht.

Noch schwieriger wird es bei Personen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen. Auch wenn es sich dabei nur um eine Minderheit handelt: Sprache erzeugt Wirkung, und eine Sprache, die eine Minderheit ausschließt und letztlich als nicht existent darstellt, diskriminiert und gefährdet diese Minderheit. Und genau das tut die deutsche Sprache leider: Wer sich nicht als männlich oder weiblich einsortieren kann, wird zur Sache degradiert. Das ist grausam. Gendergap und Gendersternchen wurden erfunden, um diesen Missstand ein wenig abzuhelfen. Sie können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sich das Problem nicht ohne einen gravierenden Umbau der deutschen Grammatik lösen lässt, einen Umbau, der zwangsläufig in scharfem Gegensatz zum Sprachgefühl der meisten deutsch sprechenden Menschen stehen wird.

Und damit sind wir beim Kern: Sprache ist Gefühlssache. Weil die meisten Menschen die Entscheidung, was standardsprachlich richtig oder falsch ist, nach dem Gefühl treffen, und nicht aufgrund von auswendig gelernten Grammatikregeln. Sie ist aber auch Gefühlssache, weil Sprache Heimat gibt. Sprachkenntnisse sind nicht ohne Grund eines der wichtigsten Maße für eine gelungene Integration von Migranten. Sprache ermöglich, miteinander zu reden, sich auszutauschen, Gedanken und Meinungen weiterzugeben. Sie vermittelt das Gefühl von Teilhabe und Zugehörigkeit.

Geschlechtergerechte Sprache ist einerseits notwendig, um allen Menschen, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, dieses Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit zu vermitteln. Geschlechtergerechte Sprache ist aber gleichzeitig eine künstliche, vielleicht sogar verordnete Veränderung einer existierenden, lebendigen Sprache, und für alle, die diese Sprache mit all ihren bestehenden Regeln verinnerlicht haben, ist jede Änderung ein Stück Verlust von Heimat und Zugehörigkeit. Es ist leider so: Die deutsche Sprache ist derzeit nicht in der Lage, allen ihren Sprechern eine wirkliche Heimat zu bieten.

Das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Wer öffentlich schreibt oder redet, sollte sich dieses Problems bewusst sein und stets versuchen, den persönlichen Anteil zur Lösung beizutragen. Lebendige Sprachen sind beständigen Veränderungen unterworfen, die allerdings nicht zufällig geschehen. Es muss unser Ziel sein, unsere gemeinsame Sprache langsam und behutsam zu einer größeren Integrationsfähigkeit aller ihrer Sprecher weiterzuentwickeln.

Bis es soweit ist, leben wir vom Kompromiss und vom gegenseitigen Respekt. Die Entscheidung für eine eher geschlechtergerechte oder eher traditionelle Sprache kann nur abhängig von Textgattung und Zielgruppe getroffen werden, und sie muss auch abhängig vom jeweiligen Autor bleiben dürfen, denn Schreiben ist eine persönliche Ausdrucksform und muss das eigene, persönliche Sprachgefühl widerspiegeln. Den Willen zur integrativen Sprache halte ich für eine moralische Pflicht. Die Verurteilung des anderen, nur weil er oder sie bei dieser Abwägung zu einem anderen Ergebnis kommt als man selbst, halte ich für eine moralische Verfehlung.

 

Auf ein Neues

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Das Feuerwerk ist abgebrannt, die Wandkalender sind getauscht. Es ist die Zeit der guten Vorsätze. Meiner ist einfach: mehr Gelassenheit.

Ich wünschte, ich würde mich weniger über Dinge aufregen, die ich sowieso nicht ändern kann. Ich könnte die frei werdende Zeit und Energie gut gebrauchen für all das, bei dem ich wirklich etwas verändern kann, wo ich die Welt ein wenig besser machen könnte. Wie heißt es so schön:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht ändern kann

und die Weisheit, die Körper derer verschwinden zu lassen, die ich heute umbringen musste, weil sie mich nervten.

Na ja, der Schluss geht im Original dann doch ein wenig anders. So schlimm ist es zum Glück nicht.

Das neue Jahr wartet mit neuen Aufgaben und Herausforderungen für mich. Wie bei mir üblich, schwanke ich zwischen Vorfreude und Furcht. Ich kenne das schon: Jedes Mal, wenn ich eine größere Aufgabe übernehme, kommt irgendwann die Phase, in der mir alles über den Kopf wächst, in der ich meine Zusage bereue und am liebsten rückgängig machen würde. Ich habe gelernt, dass ich diese Phase einfach nur durchstehen muss, trotzdem würde mir auch hier etwas mehr Gelassenheit ausgesprochen gut tun.

Ich bin ein großer Verfechter dessen, was man gemeinhin Gabenorientierte Mitarbeit nennt. Ich glaube, dass eine Gemeinde oder ein geistliches Werk dann am besten läuft, wenn alle sich so engagieren, wie es ihren Gaben und Fähigkeiten entspricht. Manchmal lasse ich mir noch ein schlechtes Gewissen einreden, aber in den meisten Fällen halte ich mich dann doch an meine eigenen Grundsätze und lehne Aufgaben ab, die für mich nicht diesen Kriterien entsprechen. Das heißt aber auch, dass die Aufgaben, die ich tatsächlich übernehme, mir liegen und mir prinzipiell auch Freude machen.

Für die erwähnte Panik-Phase gibt es also in den meisten Fällen keinen sachlichen Grund außer dem, dass ich mir selbst im Weg stehe. In Galater 5, Vers 22 wird die Frucht des Geistes beschrieben. Dabei steht nach der Liebe, die ein Oberbegriff ist, an erster Stelle die Freude und an zweiter Stelle der Frieden. Genau das, was ich brauche. Nun lässt sich so eine Frucht nicht einfach aus dem Nichts schaffen, zumindest wenn man nicht Gott ist. Das muss und darf wachsen. Ich kann aber im neuen Jahr darauf achten, bessere Wachstumsbedingungen für diese Frucht zu schaffen. Gelegenheit dazu wird es genug geben.

Der Theologe und Gemeindeforscher Christian A. Schwarz hat unzählige Fragebögen an Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher in unterschiedlichsten Gemeinden verteilt und ausgewertet. Eine seiner Fragen ist, ob der Gottesdienst Spaß macht. Diese Frage wurde von den Teilnehmern besonders häufig „korrigiert“, Spaß wurde durch Freudigkeit oder Auferbauung ersetzt. Die Auswertungen ergaben stets, dass Gemeinden mit mehreren derart ausgebesserten Fragebogen keine wachsenden Gemeinden sind.

Ich wünsche mir, dass die Aufgaben, die ich meistens gut und im Grunde auch gern erledige, mir auch Spaß machen. Das kann natürlich nicht immer so sein, aber bei mir ist hier noch viel Luft nach oben. Dazu braucht es weniger Bedenken und Sorgen und mehr Gelassenheit. Dazu braucht es aber vor allem den Heiligen Geist. Nur er kann diese Veränderung bewirken, nur er kann diese Frucht in mir wachsen lassen.

Interessant, wie sich manche Blogeinträge beim Schreiben verändern: Ich wollte eigentlich nur über Gelassenheit schreiben und lande beim Geist Gottes. Ist es nicht schön, wenn sich Gott so in den Mittelpunkt drängt und damit an den Platz, der ihm zusteht? Das darf er gern öfters machen. Immer läuft alles auf ihn hinaus, jede Veränderung, jede neue Aufgabe, jeder Erfolg ist von seinem Segen abhängig.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein frohes, friedvolles und gesegnetes Jahr 2017. Habt Spaß!

Frust

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Das neue Album von Jörg Swoboda heißt „Von Mann, Frau und Kind“ und ist auf übelste Weise heteronormativ. Beifall gibt es dafür vom Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz Hartmut Steeb, der behauptet, Swoboda würde der Befindlichkeitsduselei Fakten, biblische Lehre und Positionslichter entgegen setzen. Es sind Positionslichter der Herzlosigkeit, die die Nöte anderer Menschen als Befindlichkeitsduselei behandeln und nur als Fakten und biblische Lehre gelten lassen, was dem eigenen Weltbild entspricht.

Derweil kämpft die AfD dagegen, dass sich Kinder, die anders sind als die Mehrheit, akzeptiert fühlen. Vorgeschoben wird wie üblich die Schimäre der Frühsexualisierung, aber in Wirklichkeit geht es um die Vorherrschaft der Mehrheitgsgesellschaft. Wer nicht so ist, wie die anderen, soll sich anpassen oder untergehen. Ich schreibe das als einer, der als Kind von seinen Mitschülern verprügelt wurde, weil er anders war.

Sowohl ein Teil meiner Gemeinde als auch ein Teil meiner Familie sieht mich nicht als vollwertigen Menschen. Sie würden das anders formulieren, aber es ist so. Manchmal sehe ich mich in der Welt um und sehe sie voller Menschen, die mich leiden sehen wollen. Das ist natürlich Unsinn. In einem Lied der Fantastischen Vier heißt es:

Du sagst die Welt ist gegen dich. Das ist sie nur gelegentlich

Ich sollte drüber stehen. Ich sollte zwar gegen diese Positionen ankämpfen, aber ich sollte sie nicht persönlich nehmen, mich nicht angegriffen fühlen. So weit die Theorie. Zurzeit fällt mir das mit dem Drüberstehen besonders schwer. Der Frustlevel ist hoch.

Ich trauere um verlorene Jahre. Zu meiner Kindheit stand die Akzeptanz von Minderheiten nicht auf dem Bildungsplan. Das hat dazu beigetragen, dass ich erst als Student begreifen konnte, dass ich schwul bin. Ein Kollege erzählte mir neulich, dass er damals nur wegen der Mädchen zum Tanzkurs ging. Mich haben weder Mädchen noch Tanzen interessiert. Ein wichtiger Teil der Erfahrungen, die man als Teenager und Jugendlicher macht, ging völlig an mir vorbei. Und danach kamen zwei Jahrzehnte, in denen ich mir (ganz im Sinne von Hartmut Steeb) einzureden versuchte, dass die menschenverachteten Positionen, die mir andere Christen als Fakten und biblische Lehre verkauften, wirklich von einem liebenden Gott kommen.

Ich habe mir vorgenommen, in diesem Blog ehrlich zu sein. Ich hätte da schon noch ein paar Themen, zu denen ich einen mehr oder minder sachlichen Eintrag zustande gebracht hätte, aber heute ist mir nicht danach, heute wäre das Fassade. Der Autor dieser Zeilen kämpft heute nicht um Fakten und biblische Wahrheiten, er kämpft heute gegen Frust und Selbstmitleid.

Glücklicherweise kämpfe ich nicht allein, deshalb möchte ich heute auch einen Freund zu Wort kommen lassen. Patrick Emmanuel, der Gründer von horeb.world, setzt in einem Video die Kontroversen innerhalb der Christenheit in den richtigen Zusammenhang:

Referenzen

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Ich bin das ganze Wochenende unterwegs, und das nächste Thema, das ich mir vorgenommen habe, bedarf noch einiger Vorbereitung. Deshalb gibt’s heute nur einen Lückenfüller.

Ich denke, ich teile heute mal ein paar der Internet-Seiten, die mich in den letzten zwei Jahren maßgeblich beeinflusst haben. Zu allererst und als wichtigste Quelle sei die Seite Streitfall Liebe der unvergleichlichen Valeria Hinck genannt. Sie liefert die zweifellos solideste und tiefgründigste Auslegung der Bibel zum Thema Homosexualität, die in deutscher Sprache verfügbar ist. Ihre Website und ihr Buch haben mein Leben auf den Kopf, nein, eher vom Kopf auf die Füße gestellt und mich in meiner Beziehung zu Gott zu neuer Tiefe geführt, wie ich das schon in ein paar Blogeinträgen beschrieben habe.

Vergleichbares leistet in englischer Sprache Matthew Vines. Von ihm gibt es auch ein gut gemachtes, kurzes Youtube-Video, das die wichtigsten Punkte zusammenfasst und sich gut zum Teilen eignet:

 

Recht neu und stellenweise noch im Aufbau, aber dennoch uneingeschränkt zu empfehlen ist horeb.world. Dem Autor gelingt das Kunststück, recht umfassend, kompakt und gleichzeitig persönlich zu schreiben.

Bei YouTube wurden in den vergangenen Jahren unzählige Coming-Out-Videos unterschiedlichster Art und Form hochgeladen. Hier hat sich ein unvergleichlicher Schatz an Erfahrung und Ermutigung angesammelt. Mit dem Suchbegriff Coming Out landet man natürlich vor allem bei englischsprachigen Videos. Ich möchte zwei vorstellen, zunächst einmal das Video von Matthew Schueller, der unter anderem sehr persönlich und eindrücklich beschreibt, was bekannte „christliche“ Positionen in einem Menschen anrichten können:

 

Und dann wäre da noch Connor Franta. In seinem Coming-Out-Video spürt man die Erfahrung eines Multi-Millionen-Abonnenten-Youtubers. Das Video ist natürlich auch persönlich und inhaltlich beeindruckend, aber ich fand es im Aufbau so gelungen, dass ich es sozusagen als Blaupause für mein eigenes Coming-Out in meiner Gemeinde genommen und meine Geschichte in Connors Erzählstruktur verpackt habe:

 

Wer es direkt vergleichen will: Hier ist meine Geschichte.

Die Liste erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist eine Auswahl der Referenzen, der Menschen, die für mich besonders wichtig waren. Und es bleibt mir nur, diesen allen (und vielen anderen) zu sagen: Danke!

Updates

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Ab heute ist die Altersangabe in meinem ersten Eintrag nicht mehr aktuell. Außerdem findet an diesem Wochenende in Nürnberg das Bardentreffen statt, das für mich jedes Jahr ein musikalisches Highlight ist. Ich bin also dieses Wochenende ziemlich beschäftigt, deshalb gibt es heute nur ein paar neue und weniger neue Informationen.

Ich habe mir eine eigene Domain gegönnt. Ab sofort ist Herz im Wandschrank erreichbar unter:

herz-im-wandschrank.com

Tadaaaa! Die bisherige Adresse funktioniert natürlich weiterhin.

Dann möchte ich an dieser Stelle einmal auf den Verein Zwischenraum hinweisen, eine Gruppe homo- und bisexueller und trans*geschlechtlicher Christen mit vielen Regionalgruppen im deutschsprachigen Raum. Ich habe Zwischenraum vor etwa einem Jahr kennengelernt und dort viel Hilfe erfahren.

Leider sind die Regionalgruppen noch recht ungleich und keineswegs flächendeckend verteilt, so dass viele Zwischenraum-Mitglieder und -Freunde lange Wege für ein Treffen auf sich nehmen müssen. Einer dieser weißen Flecken auf der Karte ist der Norden Bayerns. Ich würde gerne im Großraum Nürnberg eine Gruppe gründen. Wer Interesse hat mitzumachen, findet hier die Kontaktinformationen.

Und dann gab es da noch ein Coming Out. Natürlich gab es da in meinem Leben viele davon, aber eines war für mich besonders wichtig und hat letztlich zu diesem Blog geführt. Letztes Jahr am 18. November im Buß- und Bettags-Gottesdienst habe ich mein Herz in die Hand genommen und bin damit vor versammelter Gemeinde aus dem Wandschrank geklettert. Die Tonaufnahme davon habe ich damals auf SoundCloud hochgeladen. Es wird höchste Zeit, dass ich sie hier auch teile:

Pulse, Orlando

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Diverse Medien berichten gerade über eine Schießerei im Nachtclub Pulse in Orlando. Die Situation ist noch recht unübersichtlich, die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, und natürlich gibt es zur Zeit noch keine Informationen über die Motive des Täters. Aber es steht fest: In der vergangenen Nacht wurde in Orlando, Florida, zahlreiche Menschen ermordet, weil sie sich in einem Schwulenclub aufgehalten haben.

Letzte Woche habe ich diesen Satz formuliert:

Der Friede Gottes hat sich seinen Platz im Innersten meines Herzens zurückerobert und hat für mich einen Rückzugsort geschaffen, an dem ich mich sicher und geborgen fühle.

Eigentlich wollte ich heute mehr darüber schreiben, aber angesichts der Ereignisse der vergangenen Nacht bleiben mir die Worte Sicherheit und Geborgenheit im Halse stecken. Bars und Nachtclubs gehören traditionell zu den Schutz- und Rückzugsorten der LGBT-Community. Unabhängig von den Motiven des Täters: Die Schüsse im Pulse treffen uns mitten ins Herz.

Viele Menschen sind für immer zum Schweigen gebracht worden. Der Rest von uns wird umso lauter sprechen.

Die Angriffe auf unsere Sicherheit gehen weiter. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man uns abgrundtief hasst oder nur ungleich behandelt. Natürlich macht es einen Unterschied, ob der Angriff unserer körperlichen Unversehrtheit oder nur unserem Selbstwertgefühl gilt. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man mit geladenen Schusswaffen oder mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelstellen auf uns zielt. Dennoch ist jeder Angriff einer zu viel, nicht nur weil jeder Angriff Wunden hinterlässt, sondern weil jeder Angriff die Hemmschwelle für den nächsten Angreifer senkt. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.