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Archiv des Autors: Markus

Genus und Gender

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Die deutsche Sprache kennt drei grammatikalische Geschlechter: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Was sie daraus macht, ist nicht immer logisch und bei weitem nicht immer sachgerecht. Schon Mark Twain hat sich darüber beschwert, dass Mädchen nach der deutschen Grammatik nicht weiblich sein dürfen. Das sorgt für Verwirrung und viele als falsch angestrichene Pronomina in Schüleraufsätzen, aber letztlich handelt es sich dabei um eine grammatikalische Kuriosität.

Aber Sprache besteht nicht nur aus der Einhaltung von Grammatikregeln. Sprache drückt Gedanken, Meinungen und Tatsachen aus. Sprache erzeugt immer auch Wirkung, davon ist die Grammatik nicht ausgenommen. Und wer sich als deutsch Sprechender oder Schreibender dieser Wirkung bewusst ist, stolpert immer wieder über die Besonderheiten der deutschen Sprache, gerade wenn es um Menschen unterschiedlicher geschlechtlicher Identität geht.

Größtes und bekanntestes Übel ist da sicherlich das generische Maskulinum. Schreibt man zum Beispiel von einem Lehrer, denken die meisten Leser an einen männlichen Angehörigen dieser Berufsgruppe, denn ansonsten würde man die Bezeichnung Lehrerin erwarten. Trotzdem soll der Begriff auch herhalten, wenn von einer Gruppe mit gemischter Zusammensetzung die Rede ist, oder wenn man nur allgemein von einem Mitglied des Lehrerkollegiums schreiben will. In beiden Fällen schließt nach den Regeln der deutschen Grammatik das Wort Lehrer ausdrücklich auch weibliche Personen mit ein.

Das ist zunächst unhandlich, aber es ist auch bedeutend mehr. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen häufig trotz gleicher Qualifikation und Aufgaben weniger verdienen als Männer, in der sie oft auch weniger berufliche Möglichkeiten und Aufstiegschancen haben, und wenn eine Führungskraft weiblich ist, spielen für viele Medien Frisur und Kleidung eine größere Rolle als Programme und Entscheidungen. Das generische Maskulinum ist zugleich Ausdruck und Verfestigung dieser gesellschaftlichen Realitäten.

Bei manchen Begriffen finden sich mehr der minder brauchbare Ersatzwörter. Ich habe schon die Bezeichnung Mitglied des Lehrerkollegiums verwendet, kürzer und allgemeiner kann man geschlechtsneutral von der Lehrkraft schreiben. Aus dem Studenten wird der Studierende, beim Schüler wird es schon deutlich schwieriger. Dann gibt es die Lösungen mit Binnenmajuskel (SchülerIn), Gendergap (Schüler_in) und Gendersternchen (Schüler*in). Das sind gute Ideen für Texte, die ohnehin naturgemäß sperrig zu lesen sind, wie Formulare, Verordnungen, Satzungen usw., aber sie haben keine Entsprechung im gesprochenen Wort und stören deshalb auch in geschriebenen Texten den Lesefluss. Der Physiker Martin Bäker verwendet in vielen seiner Blogeinträge ausschließlich weibliche Wortformen und Pronomina, und zwar selbst wenn es um eindeutig männliche Personen geht. Das ist zunächst sehr ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit sehr flüssig zu lesen. Das ist aber auch eine sehr radikale Maßnahme und in sich wiederum auch alles andere als geschlechtergerecht.

Noch schwieriger wird es bei Personen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen. Auch wenn es sich dabei nur um eine Minderheit handelt: Sprache erzeugt Wirkung, und eine Sprache, die eine Minderheit ausschließt und letztlich als nicht existent darstellt, diskriminiert und gefährdet diese Minderheit. Und genau das tut die deutsche Sprache leider: Wer sich nicht als männlich oder weiblich einsortieren kann, wird zur Sache degradiert. Das ist grausam. Gendergap und Gendersternchen wurden erfunden, um diesen Missstand ein wenig abzuhelfen. Sie können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sich das Problem nicht ohne einen gravierenden Umbau der deutschen Grammatik lösen lässt, einen Umbau, der zwangsläufig in scharfem Gegensatz zum Sprachgefühl der meisten deutsch sprechenden Menschen stehen wird.

Und damit sind wir beim Kern: Sprache ist Gefühlssache. Weil die meisten Menschen die Entscheidung, was standardsprachlich richtig oder falsch ist, nach dem Gefühl treffen, und nicht aufgrund von auswendig gelernten Grammatikregeln. Sie ist aber auch Gefühlssache, weil Sprache Heimat gibt. Sprachkenntnisse sind nicht ohne Grund eines der wichtigsten Maße für eine gelungene Integration von Migranten. Sprache ermöglich, miteinander zu reden, sich auszutauschen, Gedanken und Meinungen weiterzugeben. Sie vermittelt das Gefühl von Teilhabe und Zugehörigkeit.

Geschlechtergerechte Sprache ist einerseits notwendig, um allen Menschen, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, dieses Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit zu vermitteln. Geschlechtergerechte Sprache ist aber gleichzeitig eine künstliche, vielleicht sogar verordnete Veränderung einer existierenden, lebendigen Sprache, und für alle, die diese Sprache mit all ihren bestehenden Regeln verinnerlicht haben, ist jede Änderung ein Stück Verlust von Heimat und Zugehörigkeit. Es ist leider so: Die deutsche Sprache ist derzeit nicht in der Lage, allen ihren Sprechern eine wirkliche Heimat zu bieten.

Das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Wer öffentlich schreibt oder redet, sollte sich dieses Problems bewusst sein und stets versuchen, den persönlichen Anteil zur Lösung beizutragen. Lebendige Sprachen sind beständigen Veränderungen unterworfen, die allerdings nicht zufällig geschehen. Es muss unser Ziel sein, unsere gemeinsame Sprache langsam und behutsam zu einer größeren Integrationsfähigkeit aller ihrer Sprecher weiterzuentwickeln.

Bis es soweit ist, leben wir vom Kompromiss und vom gegenseitigen Respekt. Die Entscheidung für eine eher geschlechtergerechte oder eher traditionelle Sprache kann nur abhängig von Textgattung und Zielgruppe getroffen werden, und sie muss auch abhängig vom jeweiligen Autor bleiben dürfen, denn Schreiben ist eine persönliche Ausdrucksform und muss das eigene, persönliche Sprachgefühl widerspiegeln. Den Willen zur integrativen Sprache halte ich für eine moralische Pflicht. Die Verurteilung des anderen, nur weil er oder sie bei dieser Abwägung zu einem anderen Ergebnis kommt als man selbst, halte ich für eine moralische Verfehlung.

 

Politisch korrekt

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Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.

So steht es in Sprüche 12, Vers 18. Niemand wird daran zweifeln, dass Worte Wirkungen haben. Sie können verletzten und heilen, sie können diskriminieren und integrieren, sie können zerstören und aufbauen. Die Bibel ermahnt uns deshalb völlig zurecht und an verschiedenen Stellen, vorsichtig mit unseren Worten zu sein, wenige Worte zu machen und eher mal auf eine Aussage zu verzichten, wenn wir deren Wirkung nicht einschätzen können. Wo viele Worte sind, da geht’s ohne Sünde nicht ab“, heißt es an anderer Stelle im Buch der Sprüche.

Das weltliche Äquivalent zu dieser biblischen Erkenntnis heißt politische Korrektheit. Es geht um nichts anderes als den Willen, Worte zu vermeiden, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können. Etwas, zu dem sich jeder halbwegs anständige Mensch verpflichtet fühlen sollte. Trotzdem ist der Begriff für viele Menschen zum Feindbild geworden, zum Inbegriff für Sprach- und Denkverbote, für Zensur. Wie ist das möglich?

Ein besonders plakatives Beispiel, an dem diese Entwicklung verdeutlicht werden kann, ist das Zigeunerschnitzel. Auch wenn das, was man heute unter diesem Namen bekommt, wenig mit der traditionellen Zubereitung zu tun hat: Das Gericht hat seinen festen Platz auf der Speisekarte insbesondere von Schnellrestaurants und Kantinen. „Zigeuner-“ steht hier für eine bestimmte Zubereitungsart, für die es tatsächlich keinen vergleichbar prägnanten Begriff gibt.

Außerhalb der Küchensprache steht das Wort Zigeuner für die Abwertung, Marginalisierung und Diskriminierung einer ganzen Volksgruppe. Ich muss hier die Verfolgungs-Geschichte und -Gegenwart der europäischen Roma nicht weiter ausführen. Kein Sinto oder Rom würde sich selbst als Zigeuner bezeichnen, noch würde er eine solche Bezeichnung von anderen akzeptieren. Der Begriff hat eine eindeutig negative Konnotation, in der sich wohl für die allermeisten Angehörigen dieser Volksgruppen nicht nur geschichtliche, sondern auch selbst erlebte Herabwürdigung und Diskriminierung widerspiegeln.

Nun kann das Zigeunerschnitzel an sich kaum als Diskriminierung von Sinti und Roma angesehen werden. Darum geht es auch gar nicht. Aber eine Speisekarte wird typischerweise von hunderten oder tausenden Menschen gelesen, ist also immerhin ein veröffentlichtes Dokument mit nicht ganz unwesentlicher Verbreitung. Es braucht nur wenig Einfühlungsvermögen, um sich vorzustellen, welche Wirkung die ständige Begegnung mit diesem Wort auf Menschen hat, für die das Wort Zigeuner Inbegriff ihrer eigenen, erlebten Diskriminierung ist.

Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert. Auch wenn es sich im konkreten Fall vielleicht nur um Nadelstiche handelt, ändert das nichts am biblischen Gebot, die eigenen Worte mit Bedacht zu wählen. Zugegeben, der Verzicht auf die Bezeichnung Zigeunerschnitzel macht Umstände und stört eine (vielleicht lieb gewonnene, aber doch letztlich recht nebensächliche) Gewohnheit. Aber wer glaubt, der Bibel entnehmen zu können, dass die eigene Bequemlichkeit wichtiger ist, als die Bedürfnisse anderer, der hat eine andere Bibel als ich.

Noch schlimmer wird es, wenn der Verzicht auf potenziell verletzende Begriffe zum Verbot hochstilisiert wird, wenn die Gegner politischer Korrektheit von Zensur und Meinungsdiktatur schreien. Mal abgesehen davon, dass es meist ziemlich lächerlich wirkt, wenn Menschen sich lautstark in der Öffentlichkeit darüber beschweren, dass sie sich nicht öffentlich äußern dürfen: Wer versucht, freiwilligen Verzicht als Verbot, das Bemühen um sorgfältige Wortwahl als Zensur darzustellen, handelt niederträchtig, denn er argumentiert ad hominem, d. h. er versucht nicht, die Argumente des Gegners zu widerlegen, sondern die Person des Gegners zu diskreditieren.

Natürlich kann man es auch mit der politischen Korrektheit übertreiben. Vielleicht gehe ich auch schon mit meinem Beispiel zu weit, darüber kann man gern diskutieren. Und wenn tatsächlich jedes Wort auf die sprichwörtliche Goldwaage gelegt werden müsste, wäre eine vernünftige Kommunikation nicht mehr möglich. Darum ist es wichtig, sich auf die sowohl säkularen als auch biblischen Grundlagen politisch korrekter Sprache zu besinnen: Worte können andere Menschen verletzen, deshalb ist es wichtig, Worte sorgfältig zu wählen. Dabei ist es offensichtlich nicht entscheidend, wie meine Worte auf mich wirken, sondern wie sie beim Gegenüber ankommen, bzw. bei meinen potenziellen Lesern, sofern ich meine Worte veröffentliche.

Dazu bedarf es der Tugenden Einfühlungsvermögen und Lernbereitschaft, welche meines Erachtens auch zutiefst christliche Tugenden sind. Und natürlich die Bereitschaft, den Anderen wichtiger als (oder zumindest genauso wichtig wie) sich selbst zu nehmen. Dabei kann es nicht schaden, sich bei Interessengruppen zu informieren oder die entsprechenden Menschen einfach mal persönlich zu fragen. Was Worte in Menschen auslösen können, wissen die betroffenen Menschen selbst immer noch am besten. Wer politisch korrekt sein will, möchte das auch wissen, denn er möchte seine Worte so wählen, dass sie andere Menschen nicht verletzen, sondern Heilung bringen.

Erfreuliche Statistiken

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Im Oktober und November des vergangenen Jahres wurden in einer repräsentativen Umfrage rund 2000 Personen zu ihren Einstellungen zum Thema Homosexualität befragt. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat die Ergebnisse in dieser Woche veröffentlicht. Einige dieser Ergebnisse haben mich sehr gefreut, deshalb stelle ich heute die für mich wichtigsten Punkte vor und gebe natürlich auch meinen Senf dazu.

Das Wichtigste zuerst: 82,6 % der Befragten sprachen sich für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus. Das ist gegenüber den bisher bekannten Zahlen eine erhebliche Steigerung und deutlich mehr, als ich erwartet hätte. In einer Studie von 2006 lag die Zustimmungsrate noch bei 64,9 %. Die Antidiskriminierungsstelle schreibt dazu:

Damit ist die Zustimmung zur Öffnung der Ehe innerhalb der letzten zehn Jahre um rund 18 Prozentpunkte gestiegen.

Ich würde das noch ein wenig anders formulieren: Die Ablehnung zur Öffnung der Ehe hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre halbiert!

Wenn es um das Adoptionsrecht und um Unterstützung für künstliche Befruchtung geht, sind die Zustimmungsraten erwartungsgemäß etwas geringer, liegen aber immer noch bei 75,8 % bzw. 67,4 %. Überhaupt halten bei absolut allen Fragen, unabhängig von Thema und Fragestellung, die Unterstützer gleichgeschlechtlicher Beziehungen die Mehrheit.

Ein besonders heiß diskutiertes Thema in den letzten Jahren war der Umgang mit dem Thema sexuelle Vielfalt an den Schulen. Einige Kultusministerien haben beschlossen, die Akzeptanz sexueller Vielfalt explizit als Ziel der schulischen Erziehung zu benennen und dies auch im Lehrplan zu berücksichtigen. Das hat vielfach zu sehr lautstarker Kritik geführt. Umso erfreulicher, dass sich fast 90 % der Befragten grundsätzlich hinter dieses Ziel stellen. Umstrittener ist da die Wahl der Mittel. Fast 30 % der Befragten glaubt, dass diese Inhalte die Kinder in ihrer sexuellen Entwicklung verwirren. Ist das ein klassischer Fall von „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“? Das mag zum Teil der Fall sein. Ich glaube, dass da aber noch mindestens zwei weitere Aspekte eine Rolle spielen.

Zum einen glaube ich, dass es der Mehrheit generell schwer fällt zu begreifen, wie wichtig öffentliche Sichtbarkeit für die Angehörigen einer Minderheit ist. Ich denke, diese Aspekt spielt auch bei den Umfrageergebnissen eine Rolle, die die Antidiskriminierungsstelle auf Seite 7 unter dem Begriff moderne Homophobie zusammengefasst hat. Für den cis-hetero-Mensch ist es eine Selbstverständlichkeit, dass er sich in der Alltagskultur sowohl der Gesellschaft als auch seines persönlichen Umfeldes wiederfindet. Deshalb ist es für ihn nur schwer vorstellbar, wie sich das Leben ohne diesen Wiedererkennungseffekt anfühlt, und was dies für das eigene Selbstbild und die Akzeptanz durch andere bedeutet.

Zum anderen fürchte ich, dass hier die verzerrende und oft wahrheitswidrige Darstellung der Bildungspläne durch AfD, Bildungs(plan)gegner und Konsorten ihre Wirkung entfaltet. Die Schimäre der „Frühsexualisierung“ soll bewusst Angst machen. Glücklicherweise lässt sich die Mehrheit der Bevölkerung nicht von dieser Angst anstecken.

Die Umfrage liefert auch sehr interessante Ergebnisse, was die Gefühle gegenüber homosexuellen Menschen betrifft. So ist es für rund 12 % der Befragten unangenehm, wenn ein Kollege homosexuell ist, beim eigenen Kind trifft dies auf ca. 40 % der Befragten zu. Die Antidiskriminierungsstelle schreibt dazu:

Es gibt umso mehr Berührungsängste, je näher das Thema Homosexualität rückt, insbesondere wenn es in die eigene Familie hineinreicht.

Das mag stimmen, aber es gibt meiner Meinung nach gerade im Bezug auf die eigenen Kinder noch andere Gefühle als „Berührungsängste“, die eine Rolle spielen, z. B. die (durchaus berechtigte) Sorge, dass das eigene Kind Diskriminierung erfahren könnte, oder die Frage, wie das denn jetzt mit Enkeln sei.

Grundsätzlich gilt aber über alle Fragestellungen hinweg: Wenn es um Gefühle geht, sind die Zustimmungsraten deutlich geringer, als wenn es um ethisch-moralische Fragen geht. ca. 30 % der Befragten ist es unangenehm, wenn sich zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen, jedoch nicht, wenn sich ein Mann und eine Frau küssen. Zur Erinnerung: Der Anteil der Personen, die gleichgeschlechtliche Ehen ablehnen, ist mit 17,4 % wesentlich geringer. Fast 20 % halten Homosexualität für unnatürlich, weniger als 10 % für unmoralisch.

In der Gesamtschau zeigen die Umfrageergebnisse sehr deutlich, dass die massiv zunehmende Zustimmung zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Deutschland nicht von Gefühlen getrieben ist, sondern von ethischen Erwägungen. Viele Menschen in Deutschland unterstützen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, weil sie dies für moralisch richtig halten, obwohl ihre Gefühle etwas anderes sagen. Zu einer Zeit, in der „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gekürt wurde, halte ich das für ein ermutigendes Zeichen.

Ich halte das auch für ein Warnsignal an die vielen christlichen Kirchen und Gemeinden, die gleichgeschlechtliche Beziehungen ablehnen. Diese sehen sich selbst ja allzuoft als Vertreter von Moral und Ethik, ihre Einstellung als Verteidigung christlicher Werte und Normen gegen relativierende Tendenzen und persönliches Empfinden. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das völlig gegensätzlich. Viele sehen die Öffnung der Ehe als Gebot der Ethik, das auch gegen das persönliche Empfinden durchgesetzt werden muss. Ich denke, die ablehnende Haltung viele Christen wird von den meisten Menschen nicht nur als Mangel an Mitgefühl, sondern in erster Linie als moralisches Versagen angesehen, als Kapitulation der Ethik vor Voreingenommenheit und Angst. Viele Christen beklagen, dass das Christentum zunehmen seine Bedeutung als ethischer Leitstern verliert. Hier können wir sehen, warum das so ist.

Läuterung

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In den letzten Wochen habe ich mir öfters Händels Messias angehört. Einer meiner Lieblingssätze ist die Arie mit der Nummer sechs: But who may abide. Das mag auch daran liegen, dass ich ein großer Countertenor-Fan bin und es da hervorragende Einspielungen gibt, wie z. B. die mit Andreas Scholl. Noch mehr beeindruckt hat mich allerdings die zugleich freie und werkgetreue Soul-Gospel-Bearbeitung aus dem Album Handel’s Messiah: A Soulful Celebration mit Patti Austin als Sängerin.

Über die Musik bin ich zum Text gekommen. Händel vertont im Messias eine Sammlung von Bibelstellen, überwiegend aus dem Alten Testament, die ohne weiteren Kommentar ein großartiges und erstaunlich umfassendes Bild des Messias zeichnen. Die Arie bezieht ihr Libretto aus Maleachi 3, Vers 2, wobei der Librettist Charles Jennens den letzten Halbsatz weggelassen hat:

But who may abide the day of His coming, and who shall stand when He appeareth? For He is like a refiner’s fire.

Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers (…)

Die deutsche Übersetzung habe ich der Lutherbibel von 1984 entnommen.

Maleachi verwendet ein Bild aus der Metallurgie seiner Zeit: Die Edelmetalle Gold und Silber werden in der Schmelze in speziellen Tiegeln geläutert, das heißt gereinigt. Verunreinigungen werden durch Zusätze gebunden und sammeln sich an der Oberfläche als Schlacke, dadurch können sie vom Edelmetall getrennt werden. Um wirklich reine Edelmetalle zu bekommen, musste der Vorgang mehrfach durchgeführt werden.

Angewendet auf den Menschen erscheint dieser Vergleich erst mal erschreckend. Im Feuer geläutert zu werden, kann keine angenehme Erfahrung sein, und die Frage, wer da am Tag des Herrn überhaupt noch bestehen kann, ist durchaus berechtigt. Was bleibt von mir noch übrig, wenn Gott eines Tages (oder in Ansätzen auch jetzt schon) alles an mir wegbrennt, was nicht seinem Willen entspricht? Das Bild hat aber für mich auch ein paar sehr ermutigende Aspekte:

Zunächst einmal: Läuterung ist Expertenarbeit. Dabei geht es nicht nur um die chemischen Vorgänge und die dazu nötigen Zusätze, die damals nur ein Fachmann mit viel Erfahrung richtig einschätzen konnte. Selbst die Erzeugung der benötigten Temperaturen war mit der Technologie von vor 2.500 Jahren eine Herausforderung. Reines Silber schmilzt bei 962 °C, Gold bei 1064 °C.

Im Text geht es um die Ankunft des Messias. Er allein ist der Schmelzer, der beim Menschen wirklich Edles von Unedlem zu scheiden vermag. Die Bibel betont immer wieder, wie wichtig es ist, diese Aufgabe ihm zu überlassen, sie verbietet uns über Menschen zu urteilen. Das gilt natürlich in erster Linie im Bezug auf andere Menschen, aber warum sollte das für uns selbst anders sein? Eigentlich dürfte ich das Urteil über mein Leben getrost Gott überlassen, aber tatsächlich ertappe ich mich ständig dabei, wie ich über mich selbst urteile. Häufig sind es sogar nur dumme Kleinigkeiten, schlechte Erinnerungen an eigentlich banales Fehlverhalten, die mich aus der Deckung meiner Gehirnwindungen angreifen und mir nachhaltig die Laune verderben können.

Dahinter steht natürlich die übertriebene Erwartungshaltung eines Perfektionisten, der glaubt, ein massives Gold-Nugget sein zu müssen, und doch wie jeder andere Mensch nur aus mutmaßlich goldhaltigem Erz besteht. Aber große Goldklumpen kommen in der Natur nur extrem selten vor, das meiste Edelmetall gewinnt man aus Erzen, denen man ihren Edelmetall-Anteil nicht so ohne weiteres ansieht. Der Läuterer weiß das natürlich, denn andernfalls bräuchte es seine Arbeit ja gar nicht.

Mehr Verunreinigungen bedeutet natürlich auch mehr Schlacke beim Schmelzen und damit mehr Arbeit. Aber ich glaube, Gott, der Herr, hat sich noch nie vor der Arbeit gedrückt. Die Schlacke wird weggeworfen und vergessen. Es zählt einzig und allein, wie viel reines Edelmetall am Ende zurückbleibt. Wer wird bestehen können, was in meinem Leben wird Bestand haben, wenn der Herr erscheint?

Mit meiner Selbstverurteilung gelingt es mir vielleicht, schon im Voraus ein wenig von dem unedlen Material abzukratzen, bevor der Herr mit seinem großen Schmelzofen kommt. Es wird mir damit nicht im Geringsten gelingen, das Gold zu mehren, ganz im Gegenteil. Selbstverurteilung führt zu Angst vor Fehlern, und die steht, das erlebe ich immer wieder, vielen guten Taten im Wege. Wie Alfred Krupp so schön sagte:

Wer arbeitet, macht Fehler. Wer viel arbeitet, macht mehr Fehler. Nur wer die Hände in den Schoß legt, macht gar keine Fehler.

Vielleicht zum Abschluss noch eine wichtige Bemerkung: Es gibt auch beim Menschen das, was die Bergleute Taubes Gestein nennen, also unbrauchbares Material ohne nennenswerten Gehalt verwertbarer Stoffe. Ich bin überzeugt: Wenn der Herr wiederkommt, werden Menschen feststellen müssen, dass sie die Läuterung nicht überstehen, dass nach der Abtrennung der Schlacke nichts mehr von ihnen übrig ist. Die einzige Versicherung gegen dieses Schicksal ist, Jesus in seinem Leben zu haben.

Ich habe diese Versicherung abgeschlossen und kann deshalb dem Tag der großen Läuterung halbwegs gelassen entgegengehen. Auf dem Weg dahin würde es mir sehr helfen, wenn ich mir diese stümperhaften Selbstläuterungs-Versuche abgewöhnen und diese Expertenarbeit dem wahren Experten überlassen könnte. Schön wär’s. Wobei: Bei Gott ist nichts unmöglich …

Auf ein Neues

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Das Feuerwerk ist abgebrannt, die Wandkalender sind getauscht. Es ist die Zeit der guten Vorsätze. Meiner ist einfach: mehr Gelassenheit.

Ich wünschte, ich würde mich weniger über Dinge aufregen, die ich sowieso nicht ändern kann. Ich könnte die frei werdende Zeit und Energie gut gebrauchen für all das, bei dem ich wirklich etwas verändern kann, wo ich die Welt ein wenig besser machen könnte. Wie heißt es so schön:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht ändern kann

und die Weisheit, die Körper derer verschwinden zu lassen, die ich heute umbringen musste, weil sie mich nervten.

Na ja, der Schluss geht im Original dann doch ein wenig anders. So schlimm ist es zum Glück nicht.

Das neue Jahr wartet mit neuen Aufgaben und Herausforderungen für mich. Wie bei mir üblich, schwanke ich zwischen Vorfreude und Furcht. Ich kenne das schon: Jedes Mal, wenn ich eine größere Aufgabe übernehme, kommt irgendwann die Phase, in der mir alles über den Kopf wächst, in der ich meine Zusage bereue und am liebsten rückgängig machen würde. Ich habe gelernt, dass ich diese Phase einfach nur durchstehen muss, trotzdem würde mir auch hier etwas mehr Gelassenheit ausgesprochen gut tun.

Ich bin ein großer Verfechter dessen, was man gemeinhin Gabenorientierte Mitarbeit nennt. Ich glaube, dass eine Gemeinde oder ein geistliches Werk dann am besten läuft, wenn alle sich so engagieren, wie es ihren Gaben und Fähigkeiten entspricht. Manchmal lasse ich mir noch ein schlechtes Gewissen einreden, aber in den meisten Fällen halte ich mich dann doch an meine eigenen Grundsätze und lehne Aufgaben ab, die für mich nicht diesen Kriterien entsprechen. Das heißt aber auch, dass die Aufgaben, die ich tatsächlich übernehme, mir liegen und mir prinzipiell auch Freude machen.

Für die erwähnte Panik-Phase gibt es also in den meisten Fällen keinen sachlichen Grund außer dem, dass ich mir selbst im Weg stehe. In Galater 5, Vers 22 wird die Frucht des Geistes beschrieben. Dabei steht nach der Liebe, die ein Oberbegriff ist, an erster Stelle die Freude und an zweiter Stelle der Frieden. Genau das, was ich brauche. Nun lässt sich so eine Frucht nicht einfach aus dem Nichts schaffen, zumindest wenn man nicht Gott ist. Das muss und darf wachsen. Ich kann aber im neuen Jahr darauf achten, bessere Wachstumsbedingungen für diese Frucht zu schaffen. Gelegenheit dazu wird es genug geben.

Der Theologe und Gemeindeforscher Christian A. Schwarz hat unzählige Fragebögen an Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher in unterschiedlichsten Gemeinden verteilt und ausgewertet. Eine seiner Fragen ist, ob der Gottesdienst Spaß macht. Diese Frage wurde von den Teilnehmern besonders häufig „korrigiert“, Spaß wurde durch Freudigkeit oder Auferbauung ersetzt. Die Auswertungen ergaben stets, dass Gemeinden mit mehreren derart ausgebesserten Fragebogen keine wachsenden Gemeinden sind.

Ich wünsche mir, dass die Aufgaben, die ich meistens gut und im Grunde auch gern erledige, mir auch Spaß machen. Das kann natürlich nicht immer so sein, aber bei mir ist hier noch viel Luft nach oben. Dazu braucht es weniger Bedenken und Sorgen und mehr Gelassenheit. Dazu braucht es aber vor allem den Heiligen Geist. Nur er kann diese Veränderung bewirken, nur er kann diese Frucht in mir wachsen lassen.

Interessant, wie sich manche Blogeinträge beim Schreiben verändern: Ich wollte eigentlich nur über Gelassenheit schreiben und lande beim Geist Gottes. Ist es nicht schön, wenn sich Gott so in den Mittelpunkt drängt und damit an den Platz, der ihm zusteht? Das darf er gern öfters machen. Immer läuft alles auf ihn hinaus, jede Veränderung, jede neue Aufgabe, jeder Erfolg ist von seinem Segen abhängig.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein frohes, friedvolles und gesegnetes Jahr 2017. Habt Spaß!

Anbetung

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Weihnachten! Der Tag gehört bei mir traditionell der Familie und unseren Gästen. Deshalb gibt es heute nur einen kurzen Eintrag, den ich schon am letzten Wochenende vorab geschrieben habe, und der heute (hoffentlich) automatisch online gehen sollte.

Der Tag gehört auch der Anbetung des neugeborenen Königs der Juden, unseres Herrn. Meine erste „Weihnachtsbotschaft“ in diesem Blog habe ich schon letzte Woche veröffentlicht. Heute möchte ich ein wenig Gelegenheit zur Anbetung geben, und zwar mit einem der schönsten Anbetungslieder, die je geschrieben wurde. Es ist kein modernes Lobpreis-Lied, der Sprache merkt man die vergangenen Jahrhunderte deutlich an. Leider wird es – wie so viele Lieder dieses Autors – nur sehr selten in voller Länge gesungen, denn gerade als Gesamtkunstwerk entfaltet es seine außergewöhnliche Tiefe. Deshalb hier zum Festtag in voller Länge der wunderschöne Text von Paul Gerhardt:

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht‘,
wie schön sind deine Strahlen!

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!

Wann oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
rufst du mir zu: „Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden.
Was trauerst du, o Bruder mein?
Du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.“

O daß doch so ein lieber Stern
soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
gehören güldne Wiegen.
Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht,
Samt, Seide, Purpur wären recht,
dies Kindlein drauf zu legen!

Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
ich will mir Blumen holen,
daß meines Heilands Lager sei
auf lieblichen Violen;
mit Rosen, Nelken, Rosmarin
aus schönen Gärten will ich ihn
von oben her bestreuen.

Du fragest nicht nach Lust der Welt
noch nach des Leibes Freuden;
du hast dich bei uns eingestellt,
an unsrer Statt zu leiden,
suchst meiner Seele Herrlichkeit
durch Elend und Armseligkeit;
das will ich dir nicht wehren.

Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
daß ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

Morgenstern

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Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern!
So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Diese Zeilen stammen von dem Theologen, Journalist und Schriftsteller Jochen Klepper. Er schrieb sie im Jahr 1937, wenige Monate nach seinem Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer. Den Gedichtband, der unter anderem dieses Weihnachtslied enthält, konnte er nur mit einer Sondergenehmigung herausgeben.

Diese Schwierigkeiten hatte Klepper nicht wegen des Inhalts seiner Schriften, sondern weil er mit einer jüdischen Frau verheiratet war. Er schrieb sein bekanntes Weihnachtslied in sehr dunklen Zeiten, und sie sollten noch dunkler werden. Das Ende der Naziherrschaft sollte er nicht mehr erleben. Im Jahr 1942 scheiterte die Ausreise seiner Stieftochter, und ihm wurde mitgeteilt, dass Zwangsscheidung und Deportation kurz bevor standen. In dieser Situation entschied sich die kleine Familie zwei Wochen vor Weihnachten, gemeinsam freiwillig aus dem Leben zu scheiden.

Im Jahr 1959 wurden Richard und Mildred Loving zu jeweils einem Jahr Haft verurteilt, weil sie geheiratet hatten. Ihr Verbrechen: Richard Loving war Weißer, seine Frau nicht. Der Richter begründete das Urteil wie folgt:

Gott der Allmächtige hat die Rassen geschaffen, Weiße, Schwarze, Gelbe, Malaien und Rote, und er hat sie verschiedenen Kontinenten zugeordnet. Und es gibt keinen Grund für solche Ehen, abgesehen von den aufgrund seiner Fügung herbeigeführten. Die Tatsache, dass er die Rassen getrennt hat, ist Beweis dafür, dass er nicht beabsichtigte, dass sich die Rassen mischen.

Erst 1967 wurde das Urteil – und damit die letzten Verbote „gemischtrassiger“ Ehen in den USA – vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten aufgehoben.

Auch Schwule und Lesben wurden im Dritten Reich verfolgt und mussten ihr Recht auf Eheschließung vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten erkämpfen. Ist es legitim, hier die offensichtliche Parallele zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu ziehen? Was würden die Ehepaare Klepper und Loving dazu sagen? Würden sie zustimmen, oder würden sie sagen, das sei etwas völlig anderes?

Meine Lieblingszeile aus Kleppers Weihnachtslied habe ich im fünften und letzten Vers gefunden:

Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt.

Jesus ist in diese Welt gekommen, um ihr Licht, um ihr Freude und Frieden zu schenken. Dieses Licht erschien zuerst den Weisen als besondere Sternkonstellation, den Hirten als hell leuchtender Engelchor. Es soll das Leben der Menschen erhellen, nicht verdunkeln. Wer Trennung fordert, wo Liebe lebenslang verbinden will, kämpft für die Dunkelheit.

Wir beschenken uns an Weihnachten, nicht zuletzt weil wir uns von Jesus beschenkt fühlen. Er schenkt sich selbst. Das Leid und die Verlorenheit der Welt löst er nicht durch Ermahnung und Verurteilung, auch wenn wir das verdient hätten. Statt dessen beschenkt er uns mit dem Reichtum seiner Nähe. Belohnung statt Strafe als Rettung für die Welt.

Christus als Morgenstern ist die Ankündigung eines Lichts, das vielfach noch auf sich warten lässt. Mancherorts sehen wir schon die Morgendämmerung, an anderer Stelle scheint sich die Nacht eher noch zu vertiefen. Richard und Mildred Loving haben für ihr Anliegen das Aufleuchten dieses Lichts erleben dürfen. Jochen und Johanna Klepper blieb dies versagt, aber sie haben uns Zeilen hinterlassen, die helfen, die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Christus, der Morgenstern, der gekommen ist, das Dunkel zu erhellen, war Leitstern ihres Handelns. Licht ins Dunkel zu bringen, ist der Auftrag aller, die diesem Morgenstern folgen. Nichts in dieser Welt wird den Anbruch des Tages aufhalten. Oder mit anderen Worten: Love wins.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Frust

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Das neue Album von Jörg Swoboda heißt „Von Mann, Frau und Kind“ und ist auf übelste Weise heteronormativ. Beifall gibt es dafür vom Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz Hartmut Steeb, der behauptet, Swoboda würde der Befindlichkeitsduselei Fakten, biblische Lehre und Positionslichter entgegen setzen. Es sind Positionslichter der Herzlosigkeit, die die Nöte anderer Menschen als Befindlichkeitsduselei behandeln und nur als Fakten und biblische Lehre gelten lassen, was dem eigenen Weltbild entspricht.

Derweil kämpft die AfD dagegen, dass sich Kinder, die anders sind als die Mehrheit, akzeptiert fühlen. Vorgeschoben wird wie üblich die Schimäre der Frühsexualisierung, aber in Wirklichkeit geht es um die Vorherrschaft der Mehrheitgsgesellschaft. Wer nicht so ist, wie die anderen, soll sich anpassen oder untergehen. Ich schreibe das als einer, der als Kind von seinen Mitschülern verprügelt wurde, weil er anders war.

Sowohl ein Teil meiner Gemeinde als auch ein Teil meiner Familie sieht mich nicht als vollwertigen Menschen. Sie würden das anders formulieren, aber es ist so. Manchmal sehe ich mich in der Welt um und sehe sie voller Menschen, die mich leiden sehen wollen. Das ist natürlich Unsinn. In einem Lied der Fantastischen Vier heißt es:

Du sagst die Welt ist gegen dich. Das ist sie nur gelegentlich

Ich sollte drüber stehen. Ich sollte zwar gegen diese Positionen ankämpfen, aber ich sollte sie nicht persönlich nehmen, mich nicht angegriffen fühlen. So weit die Theorie. Zurzeit fällt mir das mit dem Drüberstehen besonders schwer. Der Frustlevel ist hoch.

Ich trauere um verlorene Jahre. Zu meiner Kindheit stand die Akzeptanz von Minderheiten nicht auf dem Bildungsplan. Das hat dazu beigetragen, dass ich erst als Student begreifen konnte, dass ich schwul bin. Ein Kollege erzählte mir neulich, dass er damals nur wegen der Mädchen zum Tanzkurs ging. Mich haben weder Mädchen noch Tanzen interessiert. Ein wichtiger Teil der Erfahrungen, die man als Teenager und Jugendlicher macht, ging völlig an mir vorbei. Und danach kamen zwei Jahrzehnte, in denen ich mir (ganz im Sinne von Hartmut Steeb) einzureden versuchte, dass die menschenverachteten Positionen, die mir andere Christen als Fakten und biblische Lehre verkauften, wirklich von einem liebenden Gott kommen.

Ich habe mir vorgenommen, in diesem Blog ehrlich zu sein. Ich hätte da schon noch ein paar Themen, zu denen ich einen mehr oder minder sachlichen Eintrag zustande gebracht hätte, aber heute ist mir nicht danach, heute wäre das Fassade. Der Autor dieser Zeilen kämpft heute nicht um Fakten und biblische Wahrheiten, er kämpft heute gegen Frust und Selbstmitleid.

Glücklicherweise kämpfe ich nicht allein, deshalb möchte ich heute auch einen Freund zu Wort kommen lassen. Patrick Emmanuel, der Gründer von horeb.world, setzt in einem Video die Kontroversen innerhalb der Christenheit in den richtigen Zusammenhang:

Beweislast

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Vor Gericht und auf hoher See, so sagt der Volksmund, ist man in Gottes Hand. Im ersten Fall gilt das besonders, wenn Aussage gegen Aussage steht. Da kann es für das Urteil entscheidend sein, welche der beiden Parteien die Beweislast trägt, d. h. welche Seite ihre Version beweisen muss, um zu einem günstigen Urteil zu kommen.

In den letzten drei Einträgen habe ich mich mit dem biblischen Ehebild beschäftigt. Um meine Ergebnisse kurz zusammenzufassen: Ja, es gibt in der Bibel ein unterschiedliches Rollenverständnis von Mann und Frau, und nein, dieses Rollenverständnis wird nicht als essenzieller Bestandteil der Ehe gelehrt, sondern ist vielmehr Spiegel der damaligen, gesellschaftlichen Verhältnisse. Ist das nun gut oder schlecht für die biblische Sicht gleichgeschlechtlicher Ehen? Das hängt nicht zuletzt von der Beweislast ab.

Die Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe stellen ihre Position ja häufig als eine biblische Selbstverständlichkeit dar und tun so, als ob es Unmengen von Bibelstellen gäbe, die ihre Position stützen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich mich in diesem Blog mit angeblich heteronormativen Bibelstellen auseinandergesetzt habe. Bisher ist noch jede dieser angeblich so offensichtlichen Bibelauslegungen bei genauerem Hinsehen in sich zusammengebrochen, hat sich als exegetische Luftblase herausgestellt. Auf fehlerhaft ausgelegten Bibelstellen lässt sich niemals eine theologische Aussage gründen, und seien es auch noch so viele.

Trotzdem verfehlt die Anzahl nicht ihre Wirkung: Aus dutzenden halb verstandenen Bibelstellen erhebt sich die gefühlte theologische Wahrheit in all ihrem Glanz und ihrer Blendwirkung. Man kann, ja man muss nun gegen jede einzelne dieser Fehlauslegungen vorgehen, muss der oberflächlichen Auslegung exegetische Gründlichkeit entgegenhalten, muss Argumentationsfehler aufdecken und Voreingenommenheit entlarven. Ich möchte das in diesem Blog auch weiterhin tun. Trotzdem bleibt es eine Sisyphusarbeit.

Gegen eine gefühlte Wahrheit kommt man nicht mit Einzelargumenten an, denn selbst wenn man jedes einzelne Argument widerlegt, bleibt beim Gegner das Gefühl zurück, dass es da ja noch sooo viele andere Bibelstellen gibt. Wenn das Gefühl durch jahrzehntelanges Training fest verankert ist, haben Fakten wenig Chancen. Und zu guter Letzt kommen dann noch die drei wichtigsten christlichen Argumente: Das war schon immer so. Das war noch nie so. Da könnte ja jeder kommen. Meist noch gepaart mit der unter vielen Christen üblichen Zeitgeist-Phobie, dass alles Neue grundsätzlich schlecht und gefährlich ist.

Wieso eigentlich? Es gibt doch jede Menge Beispiele, wie Prinzipien, die in der Bibel ganz selbstverständlich sind, durch neue Erkenntnisse und Ideen als überholt gelten und durch etwas viel besseres ersetzt wurden. Aussatz beispielsweise bedeutete zu biblischen Zeiten eine massive Ausgrenzung aus der Gesellschaft, Heilung war die absolute Ausnahme. Heute können wir zwischen ansteckenden und nicht ansteckenden Krankheiten unterscheiden. Und selbst bei den ansteckenden Krankheiten wie Lepra gibt es Verfahren zum sicheren Umgang mit den Kranken und vielfach auch Heilungsmöglichkeiten. Wir verletzen das in der Bibel gelehrte Prinzip der Ausgrenzung Aussätziger und sehen das als Fortschritt.

Ein anderes Beispiel: Die biblische Antwort auf Überschuldung war die Schuldsklaverei. Im Alten Testament gibt es Vorschriften, die dieses Übel in ihren Auswirkungen mildern sollen, trotzdem wird das Prinzip der Schuldsklaverei auch in der Bibel gelehrt, mal ganz abgesehen davon, dass das im Alten Testament vorgeschriebene Erlassjahr wahrscheinlich nie wirklich umgesetzt wurde. Heute tatsächlich umgesetzte und gelebte Rechtspraxis ist die Privatinsolvenz, die nach Einhaltung der entsprechenden Auflagen eine Befreiung von der Restschuld und einen wirklichen Neuanfang ermöglicht. Hier wurde der biblische Grundgedanke vollständig von den damaligen Randbedingungen und Ausführungsbestimmungen gelöst und zu einer viel besseren, christlicheren Lösung weiterentwickelt.

Die Situation sexueller Minderheiten im christlich geprägten Teil der Welt erfährt offensichtlich eine ähnliche Entwicklung. Eine Jahrtausende alte Tradition der Ablehnung und Ausgrenzung wird durch neue Ideen und Erkenntnisse überflüssig. Schwule und Lesben lernen, ihre Beziehungen nach den gesellschaftlichen, teilweise auch nach den biblischen Maßstäben der Ehe zu führen, und die Gesellschaft lernt, diese Beziehungen auch tatsächlich als Ehen anzuerkennen, zu schützen und zu fördern. Neue medizinische Möglichkeiten helfen transgeschlechtlichen Menschen, sich in ihrer Haut wohl zu fühlen, wohingegen Intersexuelle nicht mehr medizinisch oder rechtlich auf ein Geschlecht festgelegt werden, lange bevor sich geschlechtsspezifische Persönlichkeitseigenschaften zeigen könnten.

Es ist schwer zu begreifen, wieso ein Christ sich über diese wunderbare Entwicklung nicht von Herzen freuen sollte. Unzählige Menschen erzählen davon, wie sie durch Annahme ihrer sexuellen Identität freier und glücklicher geworden sind. Die Christen unter ihnen fügen hinzu, wie sich ihre Beziehung zu Gott vertieft hat. Der Segen dieser gesellschaftlichen Entwicklung ist unübersehbar. Derweil erweisen sich die christlichen Heilsversprechen mehr und mehr als Täuschung und Lüge. Robert L. Spitzers viel fehlzitierte Studie von 2001 hat nie eine Veränderbarkeit der sexuellen Orientierung in nennenswertem Umfang belegt und wurde längst vom Autor wegen methodischer Mängel zurückgezogen. Und Exodus International, die weltgrößte Organisation der Ex-Gay-Bewegung hat sich schon 2013 aufgelöst – wegen erwiesener Erfolglosigkeit und Schädlichkeit der propagierten Therapieansätze.

Es ist höchste Zeit für eine Umkehrung der Beweislast: Die Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe müssen klar und überzeugend biblisch belegen, warum sie an einer Position festhalten, die viele betroffene Menschen erwiesenermaßen unglücklich und einsam werden lässt, nicht selten in seelische und körperliche Erkrankungen und gelegentlich sogar in den Selbstmord treibt. Die Faktenlage ist eindeutig. Eine theologische Position, die Menschen mit Gott und mit sich selbst versöhnt, die es diesen Menschen ermöglicht, in der Verantwortung vor Gott und im Dienst für ihn ein erfülltes Leben zu führen, braucht keine ausführliche biblische Begründung. Sie trägt ihre Begründung in sich selbst, in ihren Werken, in ihrer Wirkung. Wer theologische Positionen vertritt, die Menschen sehenden Auges in Unglück und Einsamkeit stürzen, dem darf, dem muss auch eine biblische Begründung auf höchstem fachlichen und exegetisch-handwerklichen Niveau für seine Thesen abgefordert werden. Nicht die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare muss biblisch begründet werden, sondern ihre Ablehnung.

Unterordnung

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Letzte Woche habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob die Bibel eine feste Rangfolge von Mann und Frau in der Ehe vorsieht. Ich möchte das heute anhand einer konkreten Bibelstelle vertiefen. Es geht natürlich um den Epheserbrief, Kapitel 5, ab Vers 21, ein Abschnitt, der in alten Lutherbibeln die Überschrift Die christliche Haustafel trägt.

Das Schreiben ist an die Gemeinde an Ephesus gerichtet, eine bedeutende Hafenstadt in Kleinasien. Die meisten Theologen sehen in dem Brief eine Art Rundschreiben an die Gemeinden der Region. Bei der Auslegung spielt das hier nur eine geringe Rolle; bezüglich der verschiedenen Probleme in der Ehe dürfte es zwischen den angesprochenen Gemeinden nur wenige Unterschiede geben. Paulus gibt hier konkrete Hilfestellungen, wie das Zusammenleben in der Familie unter Christen funktionieren kann.

Er schreibt an Menschen, die noch recht neu im Glauben an Jesus Christus leben. Christen der zweiten oder dritten Generation gab es noch nicht. In der Offenbarung wird den Christen in Ephesus vorgeworfen, die erste Liebe zu Jesus verlassen zu haben. Man kann vermutlich davon ausgehen, dass diese erste Liebe zur Zeitpunkt der Abfassung des Epheserbriefes noch frisch war. Paulus empfiehlt den Ephesern, diese Liebe unmittelbar auf ihre wichtigsten zwischenmenschlichen Beziehungen zu übertragen. Liebe deinen Mann, wie Jesus dich liebt. Liebe deine Frau, wie du von Jesus geliebt wirst. Die Wirkung seiner Worte muss unter diesen Bedingungen unmittelbar und großartig gewesen sein.

Diese unmittelbare Wirkung ist für uns verloren gegangen, und zwar in erster Linie durch den Jahrhunderte langen Missbrauch dieser Bibelstelle zur Unterdrückung von Frauen. Männer in Machtpositionen haben immer wieder die hohen Anforderungen an das Verhalten der Männer ignoriert, die in Paulus‘ Worten enthalten sind, und die Anweisungen an die Frauen verwendet, um ihre Vormachtstellung zu zementieren. Generationen von Christen haben aus einer Motivation zur gegenseitigen Hingabe ein Dokument der Unterdrückung gemacht.

Das heißt nicht, dass diese Stelle uns heute nichts mehr zu sagen hätte, aber wir müssen uns schon deutlich mehr anstrengen, um diesen Schatz zu heben. Dankenswerterweise liefert Paulus den Schlüssel zur Auslegung seiner Worte gleich reichlich mit. Er beginnt seine Ausführungen mit den Worten:

Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Euch einander. Jeder unter jeden. Es sollte eigentlich seit der Fußwaschung klar sein, dass das Zusammenleben unter Christen nicht im Sinne Jesu funktioniert, wenn Unterordnung nicht von allen gelebt wird. Das gilt natürlich genauso für die Ehemänner gegenüber ihren Frauen. Dass diese Unterordnung für die Frauen deutlich anders dargestellt wird als für die Männer, ist zum Teil dem Eheverständnis der Zeit zuzurechnen. Dass Paulus in diesem Zusammenhang die herrschenden Verhältnisse als gegeben hinnimmt und nicht hinterfragt, wird mehr als deutlich, wenn man mal ins nächste Kapitel schaut. Dort gibt es nämlich Handlungsanweisungen für Sklaven und ihre Herren. Wer Epheser 5 als Begründung für die Vorherrschaft des Mannes ansieht, muss in Epheser 6 mit gleicher Logik auch die Rechtfertigung von Sklaverei sehen.

Die Unterschiede haben allerdings auch sachliche Gründe. Frauen und Männer sind nun einmal unterschiedlich. Frauen achten im Allgemeinen mehr auf ihr Äußeres als Männer und freuen sich häufig besonders über Wertschätzung in diesem Bereich, wohingegen Männer lieber für ihre Erfolge, für das, was sie erreicht haben, gelobt werden wollen. Und wenn es mal schlechter läuft in der Beziehung, neigen Männer eher dazu, ihre Frauen zu vernachlässigen. Frauen versuchen dagegen häufiger, ihre Männer entsprechend zu ändern. Wer sich die Mühe macht, genau hinzusehen, wird diese Unterschiede in Paulus‘ Worten wiederfinden.

Die direkte Umsetzung geht natürlich nur dann gut, wenn der jeweilige Mann und die jeweilige Frau sich in dieser Beschreibung wiederfindet. Das war damals für fast alle Paare der Fall und trifft auch heute noch auf viele zu. Die Anwendung des Textes jenseits der Geschlechterklischees bereitet aber keine große Mühe: Erfülle die wahren (nicht die vermuteten) Bedürfnisse des Partners und kämpfe aktiv gegen die eigenen Schwächen an. Das gilt für alle Paare unabhängig von ihrer jeweiligen Rollenfindung in der Ehe und natürlich auch unabhängig von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung. Gleichgeschlechtliche Paare haben den Nachteil, weniger auf vorgegebene Rollenmodelle zurückgreifen zu können. Dafür haben gleichgeschlechtliche Paare den Vorteil, weniger auf vorgegebene Rollenmodelle hereinfallen zu können.

Paulus bildet sich übrigens nicht ein, die Ehe vollständig verstanden zu haben. Wie er in Vers 32 klar macht, bleibt sie ein tiefes Geheimnis. Seine Auslegung ist nur eine, eben seine Annäherung an das Thema. Sie ist sehr hilfreich, wenn man sie in diesem Sinne als Annäherung, als eine mögliche Beschreibung sieht. Sie wird schädlich, ja erdrückend, wenn man sie als die eine, wahre, vollständige Beschreibung der Ehe sieht.

Ich denke, Paulus war sich der Problematik bewusst, als Unverheirateter über die Ehe zu schreiben. Die Welt ist voller Ratschläge von nicht Betroffenen. Unverheiratete, die besser als Eheleute wissen wollen, wie Ehe geht. Heteros, die Schwule und Lesben über das Wesen der Homosexualität belehren. Kinderlose, die Eltern erklären, wie sie ihre Kinder richtig erziehen. Manchmal hat man als Außenstehender einen klareren Blick als die Betroffenen. Deshalb ist es sicher nicht verkehrt, auch auf den Rat dieser Außenstehenden zu hören. Was man von außen aber nie hat, ist das vollständige Bild. Besserwisserei ist von vornherein unangebracht und nie hilfreich. Paulus schreibt als Unverheirateter über die Ehe und verzichtet dabei auf Besserwisserei. Wir sollten darauf verzichten, sie hineinzuinterpretieren. Die Weisheit seiner Worte ist leider durch Jahrhunderte währenden Missbrauch verschüttet worden. Man muss ein wenig graben, um sie zu finden, aber es lohnt sich.